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Mittwoch, 15. August 2018

92 Telefon-Sex

Neulich klingelte mein Handy.

Ich weiss, uh mega spannend, wow!
Aber jetzt kommt's: Auf dem Display stand "Anonym".

Logisch, dass ich da abnahm, ich meine, was kann denn spannender sein als ein anonymer Anrufer? Wer unterdrückt ernsthaft seine Nummer, wenn er nicht irgendetwas ganz Schreckliches zu verbergen hat?? Ein Betrüger, ein Mörder, die süddeutsche Landeslotterie!!!! ACH, ICH LIIIEEEEEEBBBEEEE EINFACH GEHEIMNISSE UND GEFAHR!!!!!!!!!

Also swipte ich auf dem Bildschirm nach rechts und meldete mich mit meinem Namen: "Bitterbös?"
Am anderen Ende der Leitung (oder wie sagt man dem heute, wo man ja praktisch nur noch schnurlos telefoniert? Auf der anderen Seite des Äthers? Der digitalen Datenbahn?) räusperte sich eine fremde männliche Stimme, nervös.
"Ou, äh... aso... hmm... jetzt bin i glaub total falsch, Entschuldigung! Jetzt han i eigetli welle mim Kolleg alüüte! Aso..."
Ich: "Ja, da sind Sie glaub würkli falsch. Schöne Ta..."
Er: "Aso, Sie müend entschuldige, das, äh... aso... ich nimmen aa, äähm, Sie händ die Nummere scho lang?"
Ich: "Ou ja, scho sehr, seeeeehr lang (was auch stimmt, nämlich rund 20 Jahre - ich übernahm damals das erste Nokia meines ersten Freundes mitsamt Prepaid-Karte. Die Nummer blieb bis heute, der Freund nicht). Adie..."
Er (lacht): "Haha! Aso... ähm... ha! Ich mues scho säge, soooo alt töned Sie jetzt gar nöd, wenn ich das mal so dörf säge!"
Ich: "Aha."
Er: "Aso, wie alt sind Sie denn, wenn ich fröge dörf?"
Ich: "Dörfed Sie nöd. Das dörf mer bi Frau nie. (#metoo, nämlich! Ok, das ist zwar ein völlig idiotisches Argument, schliesslich wollen wir heute ja alle gleichberechtigt sein, also können wir auch alle zu unserem Alter Auskunft geben oder eben auch nicht. Aber auch in meinem Kopf sind offenbar noch uralte Geschlechter-Klischees verankert). Aso, demfall no e..."
Er: "Aha, ja... äähm, klar... entschuldiget Sie! Aber Sie händ würklich e wahnsinnig sympathischi Stimm, wenn ich das mal dörf säge!"
Ich: "Danke, aber i..."
Er: "Sehr sympathisch, momoll! Aso, ähm... ich wür Sie gern mal kännelerne, wenn ich das grad so dörf säge!"
Ich: "..."
Er: "Ich bin nämlich Single!"
Ich: "Aha."
Er: "Aso, ähm... und Sie?"


Tja, was sagt man jetzt auf so was? 
"Ou, Sie, ich au, das trifft sich ja ganz wundervoll! Ich han scho sooooo lang druff gwartet, dass mir endlich mal en Unbekannte mit underdrückter Nummere alüütet und sini Chance abcheckt! So lässig, ich hürate Sie grad! Oder mached mer vorher no zersch chli Telefon-Sex? Möchted Sie näbed mim Alter eigetlich au no grad mini Kreditchartenummere wüsse? 4901..."
Oder: "Nei, ich bin leider nöd Single, verhüratet und 7 Chind. Aber ich wünschen Ihne vill Glück! Ou, wartet Sie, jetzt fallt mir grad no öppis ii: Ich hett da e Fründin, wo uf dä Suechi isch! Moment, ich gib Ihne grad ihri Nummere. Probiered Sie's doch mal deet!"

Ich finde, beide Antworten wären sehr lustig gewesen.
Aber wie das manchmal so ist, in der Situation selber fällt einem auf die Schnelle nichts so Scharfzüngiges ein. Und deshalb ging es von meiner Seite ungefähr so weiter:
"Aso, ähm... nö."
Er: "Aha, ja, klar. Han i scho dänkt, jaja! Demfall stör ich Sie jetzt nöd länger! Nomal Entschuldigung, gäll, und ich wünsche Ihne no ganz en schöne Tag!"
Ich: "Danke, gliichfalls!"

Und wahrscheinlich wählte er dann die nächste Nummer.

So ein moralischer Schlusssatz für diesen Post fällt mir gerade nicht ein. Euch?
Und wer von euch hat hier nur draufgeklickt, weil er/sie den Titel gelesen hat? ERTAPPT!!

Freitag, 27. Juli 2018

91 Kurze Hosen

Gestern am Rundfunk.FM im Landesmuseum, ich stehe vor dem WC-Wagen in der Schlange. Vor mir zwei blutjunge Frauen, die eine erzählt von ihrem 25. Geburtstag.
"Gopferdelli,  ich bin scho huere alt!"
Ihre Freundin: "Nei, spinnsch, du bisch im Fall immer no mega jung! Du gsehsch immer no us wie 20!"
Ich habe Mitleid.
Mit mir.

Am selben Abend eröffnet mir eine Bekannte, ich sei ja jetzt auch in dem Alter, in dem ich keine kurzen Hosen mehr anziehen könne. Weil's einfach scheisse aussehe.
Ja, an ihr vielleicht.

Meine Lieben, ich bin 40 geworden. Der Titel dieses Blogs hat sich geändert. Ich mich selber aber nicht. 
Gut, mit 40 wird man langsam wehmütig und sieht deutlicher, was alles hinter einem liegt. Aber auch, was alles noch kommen könnte. 
Und das Schöne dabei: Man muss in diesem Alter nicht mehr warten. Man macht einfach. 

Also trage ich weiterhin kurze Hosen, weil ich eh finde, die zieht man einfach an, solange es heiss ist auf dieser Welt. Punkt.

Danke für eure Gratulationen!

Eure B.



Mittwoch, 11. Juli 2018

90 Diagnose: Verkaufsucht

Wer mich kennt, der weiss: Ich verkaufe gerne Sachen. Online.

Alles, was ich nicht mehr brauchen kann, wandert bei mir auf ronorp.net, anibis.ch, tutti.ch, den Facebook Marketplace und Co. 
Zum Fixpreis - deshalb lasse ich Ricardo und ebay aus. Mit mir wird nicht gefeilscht!

Und ich bin gut!

Was ICH schon alles losgeworden bin! 
Uralte Tintenstrahldrucker. Stereoanlagen mit Kassettenfach. Uncoole Kleider (meine alte Skijacke in Neonfarben schaffte es bis nach Bern!). Klapprige Velos. Nicht-smarte Fernseher. Unpraktische Kleiderschränke. Klobige Kommoden. Zu kleine Koffer. Zu grosse Schuhe (haha, SCHERZ!! Sowas gibt es bei mir gar nicht!). Unbequeme Stühle. Wackelige Bücherregale. Halbkaputte Plastik-Kleiderbügel. Vaters zu fruchtbare Fische. Mutters geschmacklose Kaffeetassen-Sammlung. Ihre noch geschmacklosere Etagère. 
Alles weg - und erst noch für Geld!

Verkaufen im Netz ist irgendwie ein Hobby von mir. Liegt vielleicht daran, dass ich nicht gerne Sachen wegschmeisse. Vielleicht auch daran, dass ich geldgierig bin - ok, nein, das stimmt nicht, ich verschenke viele Dinge, die ich nicht mehr brauche oder will, an Freunde und Familie. Aber wenn die das auch nicht wollen, dann wähle ich eben den digitalen Weg.

Es fühlt sich einfach gut an, etwas, das einen selbst stört, an jemanden weitergeben zu können, der noch Freude daran hat. Eine Art Psychohygiene: Gehen die ungeliebten Dinge aus der Wohnung raus, hat man auch wieder mehr Platz im Hirn, mehr Luft zum Atmen. 
Klingt weird und ist es auch. Aber so bin i halt, gäll.  
Es gibt ja Kaufsucht. Gibt es eigentlich auch VERkaufsucht? Ist das in irgendeinem medizinischen Werk dokumentiert? 


Anyway, Verkaufen tut gut und bereichert - ich meine jetzt nicht nur finanziell, sondern auch seelisch. Es sind diese wunderbaren Erlebnisse, die man so auf dem Weg vom Marketing bis zum Sale macht, was man dabei alles für nette Menschen trifft:
  • Diejenigen, die einem eine Message mit "5 Francken. Ich näme." schicken (und ich habe den Artikel für 42 Franken ausgeschrieben).
  • Diejenigen, die unbedingt mein rostiges Velo wollen, und dann am ausgemachten Tag nicht erscheinen, um es abzuholen und einen auf sämtlichen sozialen Medien und auf dem Handy blockieren (ich kann es nicht genug wiederholen: FUCK YOU!!!!!).
  • Diejenigen, die mit der gesamten Familie inklusive der uralten Grossmutter vor der Türe stehen, damit diese deine ausgeleierte Gästematratze höchstpersönlich inspizieren und grünes Licht geben kann für den Kauf (ich hoffe, die Matratze wurde dann nicht ihr eigenes Bett!).
  • Diejenigen, die deinen ausgedienten Sessel ins Auto laden und dir dann statt der festgelegten 50 Franken doch nur ein Zehnernötli in die Hand drücken und finden: "Das langed scho, oder?" (hat es übrigens nicht - und ich kann da SEEEEEEEHHHR überzeugend sein!).
  • Diejenigen, die deine hässlichen Schuhregale ins Auto laden und dann sagen: "Mischt, ich han gar nöd gnueg Bargeld debi, ich bring's der morn, ich versprich's!" (einmal reingefallen, gutmütig wie ich bin, ich geb's zu!).
  • Diejenigen, die sich auf das Inserat mit den alten Turnschuhen melden und dann merken, dass sie genau über deiner Mutter wohnen (worauf sie sich dann auch nicht trauen, dich zu verarschen - Vorteil!).
  • Diejenigen, die beleidigt sind, dass du den riesigen Kleiderschrank für 15 Franken nicht schon selber auseinandergeschraubt hast und auf der Türschwelle wieder kehrt machen.
  • Und auch diejenigen, die total strahlen, wenn sie deinen nie benützten Hometrainer abholen und sich mega darüber freuen, dass sie jetzt mindestens 300 Stutz gespart haben!
Für solche Momente lebe ich!
Und diesen Sommer werde ich noch einen Schritt weitergehen: Ich vergrössere mein Wirkungsfeld und gehe vom virtuellen auf den realen Flohmarkt!! OH. MY. GOOOOODD!!!!!!!!!


Kommt mich besuchen! Ihr erkennt mich an der guten Laune!