Sonntag, 20. November 2022

152 Nuestro país es para todos

Ständig unterwegs, schlechtes oder nicht vorhandenes wlan, Schreiben auf dem ipad ist nicht so geil und einfach kein Bock auf nix, nur das Leben geniessen.

Das sind meine Ausreden, warum ich mich erst jetzt wieder melde. Aus Panamá. Also, da bin ich auch schon wieder weg, aber in diesem Post geht es jetzt um meinen Trip durch Panamá. Dorthin bin ich nach meinem Kuba-Aufenthalt geflogen - übrigens am Tag, an dem Hurrikan Ian in der Karibik auffuhr. Mein Flieger war der letzte, der noch abheben durfte, worüber ich nicht ganz unglücklich war. Für die Zurückgebliebenen war es nämlich nicht ganz so lustig, und manchmal frage ich mich, warum solche Naturkatastrophen auch immer diejenigen treffen müssen, die es sonst schon nicht einfach haben im Leben. 
                                
       


Erst ein bisschen "Heimweh"
Aber ich landete also in Panamá City, der Hauptstadt. Und am Flughafen fing es schon mal gut an, als der Typ, der meine Papiere checkte, mich total sorgenvoll fragte, was ich denn ganze ZWEI WOCHEN in Panamá machen wollte? Ich so: "Na, Sie machen mir jetzt aber nicht grad Lust auf Ihr Land!"- Er: "Doch doch, es ist schön hier, aber grad so lange... Sie kommen von Havanna, sind Sie Kubanerin?"- Ich: "Sie halten gerade meinen SCHWEIZER PASS in Ihrer Hand..." 

Egal.

Also, ich bin keine Kubanerin, weder im Pass noch äusserlich, und Panamá City ist auch ganz anders als Havanna. Es gibt dort nämlich LÄDEN, und ganz heimlich hatte ich mich mega darauf gefreut!! Ich konnte wieder einkaufen, was ich wollte, und mich endlich wieder meiner geliebten Völlerei widmen! Das hatte zur Folge, dass ich mich während meines gesamten Panamá-Aufenthaltes nur von Snacks (ich hatte vergessen, wie selten geil Cheetos sind, trotz der roten Finger hinterher, mit den man/frau Kleider, Handtücher und Bettwäsche rot einfärbt) und Süssigkeiten ernährte, weil ich in jeden Supermarkt ging, an dem ich vorbeikam. Ein Restaurant sah ich selten von innen, und wenn, dann auch nur um fettige Pommes oder Burger in mich reinzustopfen, weil ich doch tatsächlich ganze drei Wochen zuvor auf Fastfood und Konsum hatte verzichten müssen. 

Ansonsten aber ich muss ich sagen, dass ich in den ersten Tagen in Panamá irgendwie Kuba vermisste. Ich musste mich erst wieder an blitzblanke Hochhäuser gewöhnen (irgendwie haben Ruinen doch mehr Charme). Dann das panamensische (panamaische? panamesische?) Klima: Feuchtwarm. Meine frisch gewaschene Wäsche sollte auf der ganzen Reise nicht mehr richtig trocken werden und irgendwie fühlte sich die Haut immer so klebrig an. Wohingegen das kubanische Wetter perfekt für mich war: Heiss wie Sau 24 Stunden lang, du trittst auf die Strasse und schon hast du x Schweissflecken - ich liebe es!
Ah, und Heisswasser in der Dusche: In Kuba überall selbstverständlich. In Panamá nicht, wie ich leider feststellen musste. Und wer mich kennt, weiss: Lieber würde ich in ein Wespennest beissen als kalt zu duschen! Auch nicht in der Wüste bei 78 Grad! Geht einfach nicht, ich würde sofort an einem Herzinfarkt sterben. 

Panamá ist Party Place
Und deshalb muss ich gestehen, dass mich Panamá City erstmal irgendwie nicht so überzeugte und ich deshalb kaum das Hostel verliess. 
Ok, auch, weil dieses über eine sehr geile Rooftop-Bar mit toller Aussicht auf die Skyline der Stadt verfügte, gebe ich zu. Und hier wurde mir auch klar, was für eine Art Touristen Panamá hauptsächlich anlockte: Hippe, schöne Menschen um die 20, die gerne surfen und Party machen. Mit viiiieeeeel Alkohol. Diesen versuchte ich als alte, langweilige Schachtel nun für den Rest meiner Reise auszuweichen.

Ach, einmal verliess ich das Hostel übrigens doch noch, um mir kurz den Panamakanal anzuschauen und dort stundenlang zu warten, bis das Schiff endlich die Schleuse passierte (muss irgendwie ein furchtbar langweiliger Job sein, Panamakanal-Kapitän, aber unglaublich gut bezahlt, wie ich mitbekam).

Danach zog es mich schnell weiter an die südliche Pazifikküste, weil ich die Isla de Coiba sehen wollte - ich liebe Inseln und ich liebe Boote und Schnorcheln. Dafür musste ich aber zuerst irgendwie sechs Stunden Bus fahren, und zwar mit Dauerbeschallung aus einem Fernseher, der in Dauerschlaufe 80er-Jahre-Musikvideos von sehr schnulzigen Latino-Popsongs zeigte. Hat sich aber gelohnt, vor Coiba haben wir sogar Delfine gesehen. Und die weissen Sandstrände waren auch der Hammer, THE BEACH lässt grüssen. Das "Heimweh" nach Kuba war verflogen.


Kotz-Kafi für hunderte Franken
Als nächstes ging es weiter ins Landesinnere, nach Boquete, zu Panamás wunderschönen grünen Bergen. 
Dort war es allerdings so arschkalt, dass ich mir einen Alpaka-Pulli und gefütterte Leggings kaufen musste. Ausserdem regnete es ununterbrochen, weshalb ich leider die Wasserfälle und Aussichtspunkte dort nicht richtig erkunden konnte.

Haha, ich bin so eine gute Lügnerin! 😜

Ich meine, das Wetter war wirklich scheisse, aber ganz ein bisschen kam es mir auch gelegen, denn wer mich kennt, weiss: Ich hasse ja Wandern! Rumlaufen ja, das kann ich stundenlang und mache ich auch überall. Aber so richtig Wandern, bergauf und so, mit Wanderschuhen und schwerem Rucksack und Schwitzen und Wasserflasche dabei - nein, danke. Deshalb und natürlich hauptsächlich wegen dem Regen hab ich mir in Boquete nur eine Kaffeeplantage angesehen und weiss jetzt den Unterschied zwischen Arabica- und Robusta-Bohnen - hab ihn aber auch schon wieder vergessen. 
In Panamá wird übrigens der teuerste Kaffee der Welt angepflanzt, Geisha heisst er. Dafür blättern offenbar Asiaten gerne mal ein paar hundert Dollar hin pro Tasse, ich kann euch aber sagen: Er schmeckt zum Kotzen!


Schlimmer als die 20-jährigen!
Also schnell wieder ans Meer, in den Norden Panamás, zurück in meine geliebte Karibik! 
Und die enttäuscht einfach nie: Bocas del Toro, Leute, das ist mal ein Paradies! Also, nicht auf der Hauptinsel, wo einen an jeder Ecke eine Disco oder Bar erwartet, wo einem vor allem am Wochenende reihenweise betrunkene StudentInnen entgegentorkeln und sehr laute Salsa- oder Hitparaden-Musik entgegendröhnt. 
Aber ich empfehle euch eine der kleineren Inseln und ein Zimmer direkt am Meer - das ist wirklich der Himmel auf Erden! In Ruhe in der Hängematte fläzen, während unter einem bunte Fische hindurchschwimmen (und den Kompost fressen, der einfach ins Meer gekippt wird), was will Mensch denn mehr? 

Ich hielt es so fast eine ganze Woche aus, im wunderschönen Hostel einer Französin. Ich machte  da eigentlich nichts als einfach nur Sein. 
Bis ich am Wochenende ein schlechtes Gewissen bekam und dachte, ich müsse ja doch mal kurz zurück in die Zivilisation. Also nahm ich ein Taxiboot auf die Party-Hauptinsel und traf mich dort mit einem Brasilianer, den ich zuvor beim Taco-Essen kennengelernt hatte. Einen Gin Tonic wollte ich mir genehmigen und dann zurück in mein schönes Bett über dem Wasser, weeeiiit weg von der feiernden Jugend, die sich ja noch austoben muss, was ich in meinem Alter ja nicht mehr nötig habe.

Ähä.

Aus einem Gin Tonic wurden mindestens sieben, irgendwann konnte ich nicht mehr zählen. Und am nächsten Morgen wachte ich in einem Hostel auf, das nicht meines war, auf der falschen Insel, nicht in meinem bequemen Doppelbett, sondern in einem vollbesetzten 10er-Schlag, neben dem Brasilianer. Ein Bild für die Götter! Mit über 40 Jahren nochmal so einen Absturz durchzugeben, schlimmer als die 20-jährigen Surfer, die ich wohlgemerkt bisher für ihr Benehmen eher mitleidig belächelt hatte, so im Stil: "Hach, so herzig, bin ich echt au mal so peinlich gsi?", ist wirklich eine ganz grosse Leistung 😂
Die fremden Leute im Zimmer fanden es aber nicht mal komisch, dass im einen Bett jetzt plötzlich zwei Personen lagen, und die eine davon in einem eleganten roten Kleid, das sie sich extra für den Ausgang angezogen hatte, wahrscheinlich hatten sie hier schon so einiges erlebt. Beim Verlassen des unbekannten Hostels fand ich noch meine Unterhose neben der Tür - egal, ich will es gar nicht wissen 😆

Ich hab's nicht so mit Bussen
Jedenfalls hatte ich mein Frühstück bei der Französin verpasst, und da ich gerade ihr einziger Gast war, würde das auffallen. Auf dem Taxiboot zurück nach Hause (die Haare in alle Richtungen, das Makeup verschmiert und die Unterhose in der Bauchtasche) überlegte ich mir deshalb passende Ausreden - aber die Französin erwartete mich bereits mit einem breiten Grinsen am Steg und da war mir klar: She knows 😎 Sie sagte nur, sie hoffe, ich hätte eine tolle Nacht gehabt, weil sie nämlich schon, ihr Liebhaber sei zu Besuch gewesen - na, zum Glück war ich nicht zu Hause 😁                   
              

Und damit endete mein Aufenthalt in Panamá. Ich nahm das Boot zurück aufs Festland (und auf der sehr rasanten Fahrt war es so windig, dass mein Ticket für den Nachtbus davonwehte und ich mir nochmal ein neues kaufen musste - 17 Dollar futsch, juhe! Aber seit Kuba weiss ich ja, dass ich es mit Bussen nicht so habe...) und fuhr nach Panamá City zurück an den Flughafen. 

Mein Fazit: Panamá ist wunderschön, vor allem die Karibikinseln. Ganz klar Lateinamerika, mit Salsa an jeder Ecke, Männern, die einem hinterherpfeifen und einer Menge Lebensfreude und Gastfreundschaft ("Nuestro país es para todos", "Unser Land ist für alle da", wie es mir ein Einheimischer zusammenfasste), aber historisch bedingt auch ziemlich amerikanisch geprägt, was den Charme irgendwie ein bisschen schmälert - trotz Gin Tonics, haha! 

In Ecuador war er dann wieder da, auch ganz ohne Alkohol. Ihr werdet es erfahren, im nächsten Post. 

Hasta muy pronto!