Dienstag, 11. August 2020

125 BSSSSSSSSSSSSSSS!!!!!!!!!!!!!!!!

Erinnert ihr euch noch an Post 29, vor fünf Jahren?

Damals schrieb ich hier über mein grösstes Hass-Tier, die gemeine Stechmücke. Ein Tier, dass meine Aversion leider nicht teilt, sondern mich im Gegenteil heiss liebt. Deshalb haben wir ein grosses Problem miteinander.

Heute möchte ich über ein anderes Tier schreiben, dass auf meiner Hass-Rangliste gleich hinter der Mücke kommt: Die Wespe.

Oder soll ich lieber sagen: Die FUCKING Wespe??

Salami fürs Nest 
Man kann aber echt keine Minute im Freien sitzen und was zu trinken oder essen dabei haben, ohne dass einem diese Viecher nicht gleich die Hölle heiss machen!

BSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSSS!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Am besten gleich noch mit der ganzen Familie!! Und immer schön um den Kopf herum! Fuchtel, Fuchtel! Gibt offenbar nichts zu essen in Wespenland, denn ansonsten müssten sie einem ja nicht gleich den Verdauungsbrei im Mund streitig zu machen! Wenn man schon mal EINMAL am Tag ohne Maske sein darf! Was machen die eigentlich mit diesen Stücken Salami, die sie kreisrund heraussägen? Fressen die das wirklich oder bauen sie sich daraus Nester oder was? Ich bin wirklich überfragt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass so viel Fett denen gut tut. Uns ja auch nicht. Wobei, was weiss ICH schon, ich bin ja Vegetarierin. Weshalb es mich noch mehr wundert, dass mich diese Wespen heimsuchen, ich hätte jedenfalls noch nie gesehen, dass sie mir ein Rüebli oder ein Stück Seitan davongetragen hätten.

Anyway.

Und dann heisst es ja immer: "Nur nöd bewege, dänn mached's au nüt!" Ähääääää!! Neulich hat mich so eine Scheiss-Wespe in die Hand gestochen, und ich habe wirklich überhaupt nichts gemacht als am See zu sitzen mit einer Cola! Ich hab das Ding nicht mal gesehen, aber gespürt hab ich es ziemlich gut. Fuck, tut das weh!!!

Münzen und Wasser my ass! 
Aber in die Hand geht ja noch. An einem anderen Tag nahm ich einen Schluck aus meiner Dose Panaché - und was fliegt hinterher frischfröhlich aus der selben Dose raus? Genau, eine Arschloch-Wespe! Warum sie meine Zunge verschont hat, weiss ich nicht, aber wahrscheinlich muss ich der dummen Kuh noch dankbar sein!



Und kommt mir bloss nicht mit all diesen Hausmittelchen, die die Viecher fernhalten sollten!
Münzen auf den Tisch legen: Was soll da passieren, soll das die Insekten blenden oder was? Ist denen scheissegal.
  • Kaffeepulver verbrennen: Joah, das stinkt denen am Anfang, dann gewöhnen sie sich daran. Genau wie ich auch, übrigens.
  • Mit Wasser bespritzen: Wespen sollen ja dann angeblich glauben, es regne und sich verziehen. Nee, die duschen offenbar gerne!
  • Fallen aufstellen mit Süssgetränken: Wo sie drin ersaufen. Ja gut, ein, zwei sind vielleicht blöd genug, da reinzukrabbeln und nicht mehr rauszukönnen - aber hey, so ein Wespenschwarm ist gross, und die anderen Gangmitglieder kommen dann einfach schauen, wo die Ersoffenen abgeblieben sind. Und wenn man Pech hat, rächen sie sich gleich noch. 

Ist das auch Corona zu verdanken? 
Jaja, ich weiss: Wespen sind nützlich (anders als diese scheiss Mücken, die meines Wissens nur als Spinnen- und Froschfutter dienen in ihrem Leben): Sie bestäuben Blüten und vernichten Schädlinge und so (auch Mücken, das macht sie wieder sympathisch!). Alles klar, jedes Lebewesen hat seine Daseinsberechtigung (ausser der Mensch, haha!) - aber warum musste die Natur sie so NERVIG erschaffen??? Und warum muss die Biene für ihre Fehler sofort büssen, während Wespen gleich mehrmals zustechen können?

Der Sommer ist meine allerallerallerallerliebste Jahreszeit, aber diese Wespen lassen mich fast ein bisschen auf den Winter freuen. Meine das eigentlich nur ich oder hat es dieses Jahr tatsächlich mehr von diesen Viechern? Ist das etwa auch coronabedingt? Kann man alles auf dieses Virus schieben?

Übrigens, habt ihr gemerkt? Letztes Mal hatte ich die Zwischentitel vergessen, jetzt denke ich wieder dran. ☺

Ich wünsche noch einen schönen Sommer mit möglichst wenig BSSSSSSSSSS!!!!!!!!!!!! 



Freitag, 17. Juli 2020

124 Ich kann jetzt Tik Tok

Heiliger Bimbam, schon ein Monat wieder vorbei!!

Man könnte meinen, ich sei so wahnsinnig beschäftigt und in den Ferien - dabei ist ja Corona, also, aus den Malediven wird dieses Jahr eh nichts.
Gut, da wäre ich jetzt auch ohne Virus nicht hin, aber egal, ihr wisst, was ich meine. 

Nein, der Grund, weshalb ich mich hier erst jetzt wieder melde, ist wohl, dass ich einerseits seit einigen Wochen abends einem speziellen Unterhaltungsrogramm fröne, das euch aber weiter nichts angeht (und ich muss innerlich jetzt sehr lachen, weil ich weiss, dass es euch vor Neugierde fast zerreisst, hihi!!). Und andererseits, weil ich eine neue Art der kreativen Beschäftigungstherapie entdeckt habe: Tik Tok. 

Jahaaaa, ich höre euch schon stöhnen und murren und hämisch auflachen! 
"Die kommt aber früh, das gibt's doch schon eeewig!!"
"Waasss?? Da sind doch nur Teenies drauf, wie peinlich ist das denn??!!"
Leute: Ist mir scheissegal!!


Erstens ist es tatsächlich so, dass ich jemand bin, der sich vor technischen Neuerungen erst immer so ein bisschen sträubt.
Ich war sicher nicht die erste mit Smartphone, für Facebook musste man mir ungefähr 20340 Einladungen schicken, bis ich anbiss damals, Instagram hielt ich lange für etwas Essbares, und erst, als mich wirklich alle dafür auslachten, dass ich meine Lieblingssongs immer noch mittels so halblegaler Online-Tools von Youtube-Links in mp3-Dateien konvertierte, um sie in mein iTunes zu laden, legte ich mir ein Spotify-Abo zu.

Und jetzt also Tik Tok.
Falls es da draussen Leute gibt, die noch hinterwäldlerischer sind als ich: Das ist eine App fürs Handy, mit der man vor allem kurze Lip-Sync-Videos machen kann. Oder zu Musik tanzen. Letzteres mache ich aber nicht, dass überlasse ich wirklich den Teenies.
Aber lipsyncen (oder wie schreibt man das? Lipsynchen?) ist einfach zuuuuuuuu geil, das muss ich als teuer ausgebildete Schauspielerin wirklich sagen! :-)

Jedenfalls erreichen meine Freunde nun jeden Tag kurze Videos von mir, in welchen ich etwa als Anke Engelke an der Migros-Kasse stehe, Hilfs-DJ von Calvin Harris bin oder ein Kind oder die doofe Nadine aus Frauentausch ("Erdbeerkäse"!!!).
Jupp, damit Tik Tok auch wirklich lustig ist, tut man natürlich gut daran, wenn man sich ein bisschen in der Boulevard- und Trashszene auskennt. Check!
Geburtstagsgrüsse: Nur noch per Tik Tok.
Jemand geht dir auf den Sack? Sag es per Tik Tok!
Zu viel Stress auf der Arbeit? Reg dich ab mit einem Tik Tok!

Tik Tok ist für alle und alles da!
Und das Beste: Man braucht dazu nur ein Handy. Gut, anständiges Licht wär noch cool, wenn man es ein bisschen professionell aussehen lassen will. Aber den Rest besorgen die Filter, wirklich praktisch. Man kann sogar aussehen wie ein Model, obwohl man erst frisch aus dem Bett gestiegen und ungewaschen ist.

Klar, das stimmt: Wenn man sich so durch die Profile durchscrollt, werden einem auffallend viele Filmchen von auffallend jungen Menschen (in auffallend knappen Klamotten und mit auffallend viel Makeup) vorgespielt. Da muss man aber drüberstehen, denn die 40er*innen+ wie mich gibt es da auch, und die zelebrieren das auch richtig.
Einige sind wirklich verdammt gut: Perfektes Timing. Perfekte Beleuchtung. Perfektes Stativ. Da kann ich nicht mithalten, mein Handy steht jeweils in meinem Badezimmerschränkchen, da stimmt die Höhe so gut.
Einige sind aber auch einfach nur Schrott. Hauptsache im Internet sein, halt.

Egal, es macht so oder so ein bisschen süchtig! Jedenfalls kucke ich seit einigen Monaten kein Fernsehen mehr, sondern nur noch aufs Handy. Auf dem Sofa, im Tram, auf dem WC, im Bett. Aber wenigstens lasse ich mich nicht einfach nur stumpf berieseln, sondern mich inspirieren und meine Fantasie anregen, was dann wiederum meine eigene Kreativität fördert und mich zu Taten anregt.
Ich glaube, Pädagoginnen und Psychologen wären sich hier einig, dass ich wahrscheinlich nicht verdumme oder aggressiv werde und Amok laufe, was man ja von anderem Medienkonsum so behauptet.

Wer meine oscarverdächtigen Werke jetzt aber suchen geht auf der App, den muss ich leider enttäuschen: Frau B. hat kein Profil dort, das heisst ganz anders. Und ich habe kein einziges Video von mir auf Tik Tok veröffentlicht, sondern nur auf dem Handy gespeichert. Das bedeutet, nur ausgewählte Personen kommen in den Genuss meiner kreativen Ergüsse (ich bin aber übrigens bestechlich!).

Tja, die einen haben Corona genutzt, um sich das Spekulieren an der Börse beizubringen, um abzunehmen, mehr Sport zu treiben oder zu sich selber zu kommen.

Ich kann jetzt Tik Tok.
Congratulations to me!

P.s.: Meine Freund*innen finden es nicht alle cool, wenn ich sie jeden Tag mit meinen Videos bombardiere. Aber da müssen sie jetzt durch.

Dienstag, 16. Juni 2020

123 Spamulin

Mohrenkopf.

Ich weiss natürlich, was mit Mohren gemeint ist. Aber ehrlich gesagt, musste ich den Begriff erst mal googlen: „Mohr“ kommt offenbar vom lateinischen „maurus“, was „Bewohner Mauretaniens“ bedeutet und was wiederum auf das altgriechische „mauros“ zurückzuführen sei, was „braun, schwarz“ bedeutet. Und ja, die Bewohner Mauretaniens waren eben schwarz. Oder darf man das jetzt heute auch nicht mehr sagen? Was ist denn richtig? Farbig? Menschen mit dunkler Hautfarbe? Naja, Schwarze sind ja eigentlich so wenig schwarz wie wir Weisse richtig weiss sind. Also sind wir streng genommen alle farbig, denn mein Zeichenlehrer in der Schule hat mir damals beigebracht: Schwarz uns weiss sind keine Farben.

Kommt ihr alle noch mit? Komplizierte Sache.

Aber zurück zum Mohrenkopf.
Ja, seien wir ehrlich: Diese Bezeichnung ist echt nicht mehr zeitgemäss, denn „Mohr“ ist einfach ein negativ konnotiertes Wort (uuiii, „konnotiert!“ Ich bin so klug, ich kann so fancy Ausdrücke, ich hab studiert!). Wenn die Süssigkeit jetzt einfach Schwarzenkopf heissen würde, wäre der Namensstreit wahrscheinlich gar nie ausgebrochen, denn Fakt ist: Das Ding hat mit viel Fantasie die Form eines Kopfes und ist mit dunkler Schokolade überzogen. Wäre es immer weisse Schokolade, hätte man sie vielleicht Weissenkopf genannt. Und niemand würde sich darüber aufregen, weil „Du Schwarzer!“ oder „Du Weisse!“ keine Schimpfwörter sind. Sie beschreiben streng genommen einfach eine äussere Erscheinung, und daran ist nichts verwerflich, auch wenn ich weiss, dass einige vielleicht weiss besser finden als schwarz oder gelb besser als rot. Aber seien wir ehrlich: Farben kennen echt keine Ranglisten, sorry! Wer so denkt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.  

Und ehrlich gesagt: Ich habe nie an einen Afrikaner gedacht, wenn ich in einen Mohrenkopf biss. Genau so wenig wie an einen Berliner, wenn ich einen solchen biss (und ich meine jetzt das Gebäck, ihr Ferkel!). Ich habe auch nie an einen Afrikaner gedacht, wenn ich als Kind „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ spielte. Da stellte ich mir mehr so eine unheimliche, unmenschliche Schattengestalt vor, ein Monster. Aber das hatte keine Ethnie.
Als Kind hatte ich übrigens auch ein Buch mit dem Titel „Zehn kleine Negerlein“. Eines nach dem anderem starb oder verschwand. Aber ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, warum das ausgerechnet dunkelhäutige Kinder waren in dieser Geschichte. Für mich war das reiner Zufall. Das Buch hätte gerade so gut „Zehn kleine Schweizerlein“ heissen können, das hätte für mich keinen Unterschied gemacht.
Und im umstrittenen Erziehungs-Bestseller „Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann las ich die Story mit diesem riesigen Tintenfass. Ein Typ steckt da einfach nervige Buben rein, und dann sind sie schwarz, „schwärzer als das Mohrenkind.“ Und das ist sehr blöd für sie.
Aber auch da dachte ich damals nicht: „Oh, jetzt sehen die ja so aus wie die Menschen in Afrika oder in der Karibik!“ Ich dachte: „Oh, scheisse, diese Tinte überall geht doch nie mehr weg!!“


Wieso ich das alles erzähle?

Um zu zeigen, dass mir sehr wohl bewusst ist, auf was diese Texte und Darstellungen abzielen und dass sie einen unverzeihlich rassistischen Hintergrund haben. Aber auch, dass der Konsum von diesen Büchern und Süssigkeiten mich selber nicht rassistisch gemacht hat. Und es auch nie machen wird.

Aber nein, das heisst nicht, dass wir all diese Bezeichnungen und Geschichten einfach weiterhin akzeptieren sollen. Im Gegenteil: Ich verstehe nicht, wie man an so veralteten Dingen ums Verrecken festhalten will!
Also, wieso musste die Migros jetzt unbedingt diese wirklich unglaublich schmackhaften Dickmacher aus den Regalen schmeissen, anstatt dass Dubler einfach diesen Namen rausgeschmissen hätte? Tradition hin oder her – nicht alles, was von früher stammt, ist auch besser. Und die Welt ändert sich nunmal. In ein paar Aspekten werden wir Menschen sogar klüger. Erstaunlich, aber wahr.
Also, weg mit dem Mohr und her vielleicht mit:
Schaumkopf?
Schaumgupf?
Schoggibomber?
Schleckerli?
Schlabberli?
Leipziger? (ja, ich hab auch das gegooglet: da kommt die Süssigkeit ursprünglich her!)
Oder einfach mit einem Fantasienamen: Krukidaua? Spamulin?

Haha, ich kann nicht mehr! :-) Spamulin, hmmmm, lecker! :-) Sämtliche Werbeagenturen sind gerade auf mich aufmerksam geworden, ich weiss, ich habe Talent!

Scheisse, jetzt hab ich Hunger.
Im Coop heissen sie Choco-Köpfli. Auch ein mega ausgeklügelter Name, so pseudo-franzdeutsch! Aber die kann ich wenigstens noch kaufen, bis Dubler seinen Kassenschlager endlich rebrandet.

Und dann können wir uns auch endlich wieder den richtigen Problemen auf dieser Welt widmen. Nämlich, dass es einfach zu viele Arschlöcher gibt, ganz unabhängig von ihrer Farbe.