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Sonntag, 31. August 2014

10 Im Zug mit dem gemeinen Taschen-Nazi

Es ist ja nunmal so: Zürich ist nicht die Welt. Und ab und zu muss man auch mal raus aus dieser Stadt. Ich zum Beispiel in schöner Regelmässigkeit. Will heissen, ich bin Pendlerin. 

Das ist nicht immer einfach. Wer pendelt, braucht einen Zacken mehr Geduld, Nerven und Toleranz als jemand, der nur in seinem Auto oder auf dem Velo unterwegs ist. Denn ein Pendler kommt selten allein. Und so muss man sich in Zug und Bus wohl oder übel miteinander abfinden, auch wenn man grad soooo keinen Bock auf andere Menschen hat.
Die Liste, mit was man sich gegenseitig im ÖV auf die Palme bringen kann, ist unendlich lang. Stinkige Kebabs essen, ins Handy schreien, dem ganzen Waggon seinen Musikgeschmack aufzwingen, unbedingt seine Jacke am Haken über dem Fenster aufhängen wollen - nein, ich fange gar nicht erst an, alles schon gehört!!
Aber es gibt EINE Spezies von Pendlern, die in den Pendler-Dissereien immer wieder untergeht, obwohl sie eigentlich weit verbreitet ist, und der ich mich deshalb hier einmal persönlich widmen möchte:

Dem gemeinen Taschen-Nazi.

Ja, das ist DIE Person (männlich oder weiblich, beide Geschlechter sind ungefähr gleichermassen vertreten), die in Zug und Bus ihr Gepäck immer auf einem eigenen Sitz abstellt. Wohlgemerkt zu Stosszeiten.
Die das Gefühl hat, dass die anderen Pendler, die am Feierabend genau so wie sie totmüde und genervt von der Arbeit kommen, gerne irgendwo vor der Zugstoilette oder halb auf dem Trittbrett stehenbleiben, damit der Rucksack, der Aktenkoffer und die Handtasche schön bequem am Fenster sitzen können.
Ja, für den gemeinen Taschen-Nazi ist das geliebte Gepäckstück nämlich total VIP und so wichtig, dass es auch ohne SBB-Ticket das unanfechtbare Recht auf einen Sitzplatz hat.

Der gemeine Taschen-Nazi (ja, der Name ist hart, aber es fällt mir kein passenderer ein) sagt das alles natürlich nicht wortwörtlich, sondern lässt es seine Mit-Pendler mit einem kurzen, aber mordsmässig affektierten Blick wissen, wenn diese ihren Anspruch auf den vom Gepäck besetzten Sessel geltend machen. Es ist so ein Blick, der besagt: "Du bist doch so ein riesen Birewichser, meine Tasche ist im Fall viel geiler als du und hat den weniger breiten Arsch!! Und das, was da drin ist, hat mehr wert als dein gesamtes Leben!!"
Natürlich stellt der Taschen-Nazi sein gutes Stück auch immer gezielt auf den Fensterplatz, damit der nachfolgende Pendler auch ja total umständlich über seine Knie steigen muss (die der Nazi selbstverständlich kein bisschen einzieht, geschweige denn, dass er kurz aufsteht oder selbst ans Fenster rutscht, um es allen Beteiligten leichter zu machen) und sich so bei sämtlichen Sitznachbarn grad mal mächtig unbeliebt macht.

Wieso macht der gemeine Taschen-Nazi all das?

Nun, meine eingängige, jahrelange Analyse hat ergeben, dass er einfach ein höchst asoziales Individuum ist und mit dem Placieren seines Gepäcks auf dem Sitz neben sich signalisieren möchte: ich habe keinen Bock auf Nachbarschaft! Kommt mir ja nicht zu nahe!
Ausserdem leidet er unter einem akuten Objekt-Fetischismus, denn die Gesellschaft eines dreckigen Rucksacks, einer Migros-Papiertüte oder eines Rollköfferchens ist ihm tatsächlich angenehmer als die eines Menschen aus Fleisch und Blut.

Nun, diese Abscheu ist selbstverständlich gegenseitig, denn auch keiner der anderen Pendler hat Bock auf einen Taschen-Nazi in seiner Nähe. So geht man dieser unappetitlichen Spezies liebend gerne aus dem Weg und dann ist auch alles gut -  doch leider ist das mit dem Ausweichen in einem vollgepackten Zug oder Bus etwas schwierig. Und deshalb muss in dieser Situation halt auch mal der hinterletzte Homophobiker und Arschloch-Egoist ein bisschen über seinen Schatten springen und akzeptieren, dass die ÖV nicht nur für ihn fahren und er nicht mehr für das Billett bezahlt hat als alle anderen auch.

Der gemeine Taschen-Nazi. Wie begegnet man ihm am besten?

Auf keinen Fall mit Groll oder einer lauten Stimme. Denn das könnte seinen Frust noch mehr verstärken und man verschwendet nur seine Energie. Am besten nähert man sich ihm mit einem entwaffnenden, freundlichen Lächeln, zeigt auf seine Tasche auf dem Fensterplatz und fragt in seinem höflichsten Tonfall: "Ist da noch frei?" Das nimmt dem Taschen-Nazi in den meisten Fällen den Wind aus den Segeln, denn Anstand kennt er von sich selber ja nicht so gut, deshalb ist er ganz überrascht von so viel menschlicher Zuneigung und kann sich gar nicht wehren. Nach meiner Erfahrung überlässt er den Pendlern dann in 99 Prozent der Fälle seinen Taschen-Platz.

Von dem her ist der gemeine Taschen-Nazi für den tagtäglichen Pendler zwar ein unglaublich nerviges, aber eigentlich nicht das schlimmste Übel (auch wenn man der einen oder anderen Ausgabe der Spezies auch einfach mal gerne ihr scheiss Gepäck um die Ohren hauen würde). Denn ein Kebab schmatzender Assi wird seine Leckerei kaum wieder einpacken, wenn man ihn ganz höflich auf den üblen Geruch und die widerlichen Geräusche aus seinem Mund hinweist.





 


Mittwoch, 26. August 2015

30 Nach rechts geswipet

Vor ein paar Tagen am Central: während ich so mein Velo abschliesse, sehe ich, wie neben mir ein Mann auf eine Frau zugeht, die dort vor dem Starbucks steht und wartet. Beide sind so Anfang 30. Er hat ein verhaltenes Lächeln im Gesicht, die Hände lässig in den Jackentaschen, und sie wirkt ein wenig überrascht: "Oh, hallo, Soundso, da bist du ja!"

Und spätestens da weiss ich: Oh-oohh, akward TINDER-DATE!!!

Schnell die üblichen drei Küsschen, er behält die Hände in den Taschen. Ich sehe dann ganz genau, wie ihr Blick ihn blitzschnell einmal von oben bis unten scannt - offenbar hat sie jemand anders erwartet. Und er blickt so ein bisschen peinlich berührt an ihr vorbei auf die Strasse, als wäre da grad was total Interessantes vorbeigefahren, ein goldenes Tram oder so.
Die beiden gehen davon, brav nebeneinander, mit einem kleinen Sicherheitsabstand dazwischen, und er immer noch mit den Händen in den Taschen. 

Ich verliere sie aus den Augen. Gott, ich wäre jetzt sooooo wahnsinnig gerne unsichtbar, um ihnen unbemerkt folgen und alles Weitere mitbekommen zu können! Ich kann mich aber nicht unsichtbar machen und ein kranker Stalker bin ich auch nicht, also muss ich mir den Rest des Dates in meiner Fantasie ausmalen:
Sie setzen sich also in ein Kaffee in der Nähe. Sie ist schon ein bisschen ernüchtert, denn irgendwie sah er auf den Tinder-Fotos besser aus als in Natura. Und auf denen hatte er auch noch Haare. 
Er hingegen findet sie heiss, blond war schon immer sein Fall. Aber dass die so klein ist? Um die 1.70m wär ihm lieber. Und dann nervt er sich auch noch, als sie sich ein Cüpli bestellt - so ein scheiss Tussi-Gesöff!, schiesst es ihm durch den Kopf. 
Er nimmt dafür einen frischen Pfefferminztee - und sie kriegt grad voll die Krise: Oh nein, so ein scheiss Gesundheitsapostel!
Das Gespräch dreht sich erst ums Wetter und den hinter sich gelassenen Arbeitstag. "Ah, interessant, ich wusste ja gar nicht, was Projektmanager so machen!"
"Ja, und wie ist das so als Sozialpädagogin, noch stressig?"
Seine Stimme hatte sie sich eigentlich ganz anders vorgestellt, irgendwie tiefer.
Ihm gefällt ihr Nagellack nicht. 

Das Gespräch geht in die nächste Phase: Familienverhältnisse.
Sie hat zwei ältere Brüder, das findet er noch cool. Vielleicht zwei neue Gspändli zum Zocken an der Konsole?
Er hat eine jüngere Schwester, beide sind bei der Mutter aufgewachsen. So viel Weiblichkeit hat ihm sicher gut getan, denkt sie sich, da kann er wenigstens mit Frauen umgehen. Nicht so wie die anderen Arschlöcher, mit denen sie sich in der Vergangenheit getroffen hat.

Sie bestellt eine Cola, er noch einen Pfefferminztee. Sie will ja nicht schon am ersten Tag unter dem Tisch liegen und leichte Beute für ihn sein, HA! Lieber aufpassen mit dem Alkohol. Er erklärt, dass er von Schämpis eben Sodbrennen bekomme. 
Sie überlegt sich, warum sie ihn im Tinder-Katalog damals eigentlich nach rechts geswipt hat. Ah ja, genau, weil er als einer der einzigen keine Fotos von sich beim Bergsteigen mit nacktem Oberkörper oder in engen Radlerhosen auf einem Mountainbike hatte.
Er überlegt sich dasselbe: nun ja, sie war eben blond und lachte so schön auf dem Bikini-Bild.

Sie fährt in den Ferien gern in den Süden, ans Meer. "Kälte, nein danke, da kannst du mich mit jagen!"
Er liebt das Skifahren. "Und die Polarlichter will ich auch mal noch sehen."

Langsam wird es spät. Man beschliesst, sich zu verabschieden und nach Hause zu gehen - also, jeder in sein eigenes. Bloss nicht schwach werden, denkt sie sich. Scheisse, denkt ER sich.
Klar, wolle man sich wiedersehen, unbedingt. "War cool, ja!"
Sie wartet drei Tage auf eine neue Nachricht von ihm. Dann schreibt sie selber. Sie treffen sich noch einmal, diesmal zum Essen.
Am dritten Date landen sie zusammen im Bett. Danach meldet auch sie sich nicht mehr.

Sie sind beide immer noch auf Tinder. Ihr Match besteht auch immer noch. Manchmal klickt einer den anderen an, um zu schauen, wann er zuletzt online war. Aber das ist auch schon alles.

Der Rest ist Swipen.





Freitag, 20. November 2020

129 Mein neues Ich

Neulich im völlig überfüllten Tram zur Stosszeit am Morgen: 
Ich muss stehen, wie viele andere auch. Nicht so corona-konform, aber naja. Eine Frau neben mir hat auf dem Sitz ihr gegenüber ihre Tasche platziert. Eine andere Frau fragt sie höflich, ob sie sich da hinsetzen könne. 
Die Frau mit der Tasche: "Nö." Die andere: "Aber Sie, das cha doch nöd sii, das isch ja nur e Täsche!" Die Frau: "Nei, ich wott nöd." Die andere wieder: "Aso, Entschuldigung, das gaht doch nöd, chan ich jetzt bitte da ANESITZE??"
Die Frau packt ihre Tasche und verschwindet mit ihr, sichtlich erregt, in den hinteren Teil des Trams, wo sie demonstrativ stehen bleibt, bis sie aussteigen muss, ab und zu ein paar giftige Blicke in unsere Richtung werfend. Die andere Frau setzt sich unterdessen kopfschüttelnd auf den Taschenplatz und schaut mich dabei hilfesuchend an, weil ich grad daneben stehe. Ich schüttle solidarisch meinen Kopf mit und packe die Gelegenheit beim Schopf, mich auf den frei gewordenen Platz der Taschenfrau zu setzen.

Streiten mit Blümchenmaske 
Die ganze Szene war irgendwie auch noch melodramatischer und absurder, weil die Taschenfrau so eine Blümchen-Gesichtsmaske trug. Sie sah fast nett und herzig aus, war aber ein giftiges Aas. Überhaupt gaben die Schutzmasken dieser ganzen "Diskussion" einen komödiantischen Touch. Man wünscht sich die Pest an den Hals, aber so ganz ohne Mimik. Da kann man sich doch gegenseitig nicht wirklich ernst nehmen, oder?
Und ich weiss auch nicht, was das Problem der Taschenfrau war: Hatte Sie Angst, sich mit Covid anzustecken, wenn ihr jemand gegenübersitzt, trotz Maske? Oder ist sie einfach eine dieser TASCHEN-NAZIS, über die ich mich hier schon vor mehr als 6 Jahren das erste Mal aufgeregt habe??

So oder so: Diese Zeiten gerade sind einfach nur crazy. Das Virus holt das Schrecklichste aus uns raus und macht unsere dunklen Seiten noch dunkler. Wer vorher schon ein Arschloch war, ist jetzt ein noch grösseres. Wer vorher schon vor allem Schiss hatte, hat es jetzt noch mehr. Und die Nerven liegen blank. 


Die Sache mit dem Blumentopf um Mitternacht
Ich bin da keine Ausnahme, Asche auf mein Haupt. Erst letzte Woche hatte ich meinen allerersten Nachbarschaftsstreit. Es ging - ui, wie schlimm! - um einen kaputten Blumentopf im Garten. 
Woher kommt er, wer macht ihn weg, bringt er vielleicht unsere Kinder um?? 
Ich möchte euch die Details ersparen, aber jedenfalls fand ich mich um Mitternacht plötzlich vor der Tür einer Nachbarsfamilie wieder, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, aber wir schrien uns einfach mal so an, bis mir die Tür unsanft vor der Nase zugeschlagen wurde. (Anmerkung: Am nächsten Tag entschuldigten wir uns bei einander und schämten uns alle kräftig für unser unreifes Verhalten, das ein Blumentopf hervorgerufen hatte, der keinem von uns gehörte, aber egal - jetzt sind wir innerhalb von 24 Stunden von Fremden zu besten Freunden geworden, immerhin ein Happy End!). 
Ach, und ein Mann hat sich über meine Vagina beschwert. Auch hier möchte ich nicht ins Detail gehen, aber sowas kann wirklich nur Covid verursachen - oder irre ich mich? 

Nein, unmöglich, meine Vagina ist super, da bin ich überzeugt. Von 35043 Männern bestätigt. HAHA!!!

Apropos Männer und Frauen: Auch sehr interessant finde ich, dass sich gerade sehr viele in meinem Umfeld über ihre Beziehungen beschweren. The significant other nervt, es ist langweilig, es gibt keinen Sex, Homeoffice zu zweit kommt der Todesstrafe gleich - auch hier möchte ich wetten: Das Virus hat ganze Arbeit geleistet. Auch wenn die Ehe vorher schon im Arsch war, dank Corona lässt sich das jetzt halt nicht mehr so leicht verdrängen.

Selbstfindung am Strand ist teuer
Also, kurz zusammengefasst: Überall schlechte Stimmung. Von dem her habe ich mich jetzt entschieden: Es ist glaube ich besser, mich mal eine Weile auf mich selbst zu konzentrieren. Mich selber zu verwöhnen, mir selber etwas wert zu sein, herauszufinden, was ich will und wer ich bin, meine Muster zu durchbrechen, etc. Das sagen sie jedenfalls in diesen Psychologie-Podcasts immer, die ich zur Zeit ständig höre. 
Also habe ich unbezahlten Urlaub eingegeben, ich denke, der hilft mir am meisten, mein neues Ich zu finden. So am Strand mit einem Drink in der Hand. Allerdings kann ich mir den wahrscheinlich gar nicht mehr leisten, weil ich auch grad noch sonst seeeeehr viel Geld für mich und meine neue Selfcare ausgegeben habe (warum sind neue Brüste aber auch so teuer? SCHHEEEERRRZZZ!!! Ich richte mir gerade ein Büro ein. Und meine Brüste sind wie meine Vagina: Unschlagbar!!). 
Mann, für so Selbstfindung muss man echt tief in die Tasche greifen, vor allem, wenn man wie ich nicht so viel mit Meditation oder Fasten oder Schweige-Retreats anfangen kann.

Mist, und "man" darf heutzutage ja auch nicht mehr benützt werden. Aber "frau" ist ja genau so sexistisch. Was dann, Passivsätze? Finde ich stilistisch oft unschön. 

Lassen wir das, zurück zum Urlaub. Naja, ok, ob und wann und wohin ich überhaupt wegfahren kann, ist ja auch noch offen, aber hey! Was wären wir ohne Hoffnung und Vorfreude?

Von dem her: Fick dich, du verdammtes 2020!! Zum Glück bist du ja bald zu Ende. Und dann hab ich mich hoffentlich endlich gefunden.

Bleibt gesund! 
(Auch so abgedroschen, aber "Bleibt mental stabil!" finde ich ein bisschen anmassend)