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Freitag, 29. Dezember 2017

80 Neidische Eifersucht

Ich hätte da mal eine Frage:

Ist man eigentlich ein böser Mensch, wenn man auf andere neidisch ist oder eifersüchtig?

Obwohl ich irgendwie den Unterschied zwischen Neid und Eifersucht nie so richtig checke. Ist Neid, wenn man etwas, das der andere hat, AUCH haben will und Eifersucht, wenn man genau DAS haben will, was der andere hat, und er soll es nicht haben?
Keine Ahnung.
Jedenfalls soll man ja beides nicht fühlen, steht glaub's schon in der Bibel.
Aber hey, so sehr ich auch dagegen ankämpfe, manchmal BIN ich einfach neidisch/eifersüchtig!!

Ich hadere sehr oft mit dem Fakt, dass das Leben nicht fair ist, die Welt nicht ausgeglichen. Und damit mein ich jetzt nicht unbedingt, dass es eine 1. und eine 3. Welt gibt - das ist sowieso scheisse. Aber es wäre anmassend, mich etwa mit einem liberianischen Strassenkind oder einem syrischen Flüchtling zu vergleichen.
Ich meine mehr, dass es mega Unterschiede gibt zwischen Menschen, die eigentlich die genau gleichen Voraussetzungen haben.

Warum klappt beim einen immer alles so auf Anhieb, wie er es haben will, warum muss der andere immer so rudern?
Und klar, mit dem anderen mein ich natürlich mich.

Jaja, "Luxusprobleme", ich hör euch schon. Stimmt ja auch. Aber Luxusprobleme nerven halt auch. Und sind ungerecht, wenn du siehst, dass jemand, der keinen Deut mehr leistet als du oder mitnichten ein besserer Mensch ist, viel einfacher durchs Leben kommt als du selber, oder nicht? 
Und dann, ja dann fällt es mir manchmal wirklich sehr schwer, mich mit demjenigen zu freuen, der das hat, was ich eben auch gerne hätte. 

Ui, bööööööööse! Ich bin bööösseeee!! Mag den anderen nichts gönnen!!! Sowas macht man nicht, hat schon meine Grossmutter gesagt. 
Ich finde das Gefühl ja auch nicht schön, aber ich kann mir noch so oft sagen: "So, Bitterbös, jetzt aber nicht neidisch sein!" - guess what? Funktioniert nicht!


Versteht mich nicht falsch: Ich kann mich sehr wohl für andere freuen. Aber eben nicht für alle. Es gibt Leute, bei denen ich denke: "Ah, scho wieder öppis gschafft/gunne/erreicht/übercho? Isch ja nüt Neus." Und dann gibt es sehr wohl auch Menschen in meinem Umfeld, bei denen ich denke: "Gopferdammi nomal, die mues aber au andauernd unedure!! Wieso isch s Läbe son es Arschloch und laht die immer liede??? Es söll endlich mal was klappe für sie!" 
Ist das seltsam, dass ich Menschen, die im Leben schon mächtig auf die Schnauze geflogen sind und kämpfen mussten, irgendwie viel sympathischer finde als solche, denen vermeintlich immer alles auf dem Silbertablett serviert wird?

Vielleicht habe ja auch ich etwas, was andere gerne hätten. Was auch immer. Man sagt ja, dass niemand ein perfektes Leben habe, alle hätten doch ihr Rucksäckli zu tragen - das mag schon sein, aber ich habe das Gefühl, bei einigen ist das Rucksäckli federleicht und sie tun so, als müssten sie tonnenschwere Pflastersteine mit sich rumschleppen und damit die Pyramiden neu bauen. 
Ja, und ich weiss, dass einige genau das auch von MIR denken.

Jeder ist seines Glückes Schmied, heisst es. 
Geht so, funktioniert nicht immer, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Oder glaubt ihr wirklich, jemand schmiedet sich seinen Krebs selber? Seine Arbeitslosigkeit? Seinen Bürgerkrieg? 

Ist man also tatsächlich ein böser Mensch, wenn man neidisch/eifersüchtig ist?
Wie denn damit umgehen, wenn man der Meinung ist, der andere hat viel weniger Probleme als man selber? 
Wenn man denkt, ginge es mir so wie ihm, dann wäre alles besser?

Tipps welcome. Ich habe mir vorgenommen, diese bösen Gefühle im 2018 zu überwinden.

Und jetzt: HAPPY NEW YEAR!!!


Montag, 4. Dezember 2017

79 DRAKARIS!!!

Wie viele Velo-Beiträge hab ich hier eigentlich schon geschrieben?
Egal, hier kommt nochmal einer.
Und ACHTUNG!: Es wird viel geflucht!

Ich weiss gar nicht, wie oft ich mein altes Bahnhofsvelo reparieren liess in den letzten Monaten (ihr kennt es, ich hab schon darüber berichtet). Ich konnte es hinstellen, wo ich wollte: Mal war das Schutzblech kaputt, dann ganz geklaut, der Sattel weg, das Licht abgeschlagen, die Felgen eingedrückt. Das Übliche halt.
Und dann komm ich so vor zwei Wochen morgens um 1 am Zürcher Hauptbahnhof an, völlig kaputt, ich will nur noch ganz schnell mit dem Velo nach Hause und ins Bett - da hatte es irgend so ein Vollidiot schon wieder demoliert!!! Und zwar so, dass ich keine 2cm damit fahren konnte! Ich weiss nicht, was der oder die Depp damit erreichen wollte, aber jedenfalls hatte ich nun zwei Möglichkeiten: Heimtragen oder stehen lassen.
Ich versuchte zuerst, das Velo behelfsmässig zu reparieren, ohne Werkzeug, mit meinen blossen Händen.
Resultat: Ich von oben bis unten schwarz verschmiert, das Velo immer noch komplett fahruntauglich.

Den Rest möchte ich kurz fassen:
Ich stinksauer. Keine Lust, NOCH mehr Geld in diesen alten, rostigen Göppel zu stecken. Wut entbrannt stehen gelassen, ohne Schloss. Am nächsten Tag schlechtes Gewissen. An HB gefahren. Velo weg.

Gut.
Ich brauchte also ein neues Velo. Und ich fand eines nur einen Tag später auf Tutti.ch, fürs Alter noch super in Form, ziemlich hübsch und spottbillig. Was war ich stolz auf mein Schnäppchen!!

Das Glück währte ganze zwei Tage.

Ich liess mein neues Bahnhofsvelo nämlich übers Wochenende vor der Hochschule am HB stehen, weil es in Strömen pisste und ich deshalb den Bus nach Hause nahm. Schön brav im Ständer stand es, zusammen mit zwei Dutzend anderen Artgenossen.
Nochmal zum Mitschreiben: Vor einer HOCHSCHULE! Wo täglich Hunderte Leute ein- und ausgehen! Gut sichtbar an einer Strasse, die wahrscheinlich in 24 Stunden gerade mal 5 Minuten menschenleer ist, nicht in einem dunklen, verlassenen Hinterhof. Wo könnte ein Velo denn sicherer sein als vor einer Schule für Erwachsene, mitten im Stadtzentrum, verdammt nochmal??

Als ich es am Montag abholen wollte, fehlte das Vorderrad.


Der Velomech runzelte besorgt die Stirn. "Choscht öppe 3mal so vill, wie'd für das Ding zahlt häsch!" Er konnte mir dann aber zum Glück ein Occasion-Rad besorgen. Trotzdem hat sich der Wert meines neuen alten Bahnhofsvelos jetzt verdoppelt. 

Fragen: Was für ein Arschloch muss man eigentlich sein, um irgendwann in der Nacht an den Bahnhof zu gehen und einem abgeschlossenen Velo das Rad abzuschrauben?
Und was für ein Arschloch muss man sein, wenn man diesem Treiben einfach tatenlos zuschaut?
Ausserdem: Wie klaut man ein Velo, dass zwar nicht abgeschlossen, aber auch nicht fahrbar ist? Nimmt man es Huckepack?

Zwei komplette Velopleiten innerhalb einer Woche!
Zürich, manchmal hasse ich dich!!
Noch in keiner anderen Stadt dieser Welt habe ich es erlebt, dass man Velos offenbar wie Diamanten in einen Tresor einsperren müsste, um sicher zu gehen, dass man es morgen noch hat und zwar so, wie es war!

Ihr beschissenen Velodiebe da draussen: DRAKARIS!!!!!!
Was schleicht ihr in der Nacht rum, habt ihr nichts Besseres zu tun?? Ihr könntet zum Beispiel für Obdachlose kochen oder in einem Tierheim Kätzchen aufpäppeln, ihr nutzlosen, respektlosen Vollidioten!! Und warum überhaupt die Mühe mit diesem kriminellen Dasein? Auf Tutti findet ihr im Fall spottbillige Velos, ohne dass ihr euch dafür das Karma versaut!

Und die sogar noch fahren!!






Donnerstag, 16. November 2017

78 Völlig bescheuert!

Geht euch das auch so?
Immer, wenn ich in der Nähe eines Behinderten bin, werde ich nervös.
Jetzt gleich auch wieder. "Oh Gott, oh Gott, darf man das überhaupt sagen, 'Behinderter'? Ist das jetzt beleidigend? Wie sagt man denn korrekt? 'Mensch mit Beeinträchtigung'? Ist das besser? Und darf ich überhaupt nervös werden? Bin ich jetzt ein schlechter Mensch??

Ich ertappe mich einfach immer wieder dabei, wie ich, sobald jemand im Rollstuhl, mit Blindenstock oder von mir aus mit Tourette neben mir ist, komplett verkrampfe und denke: "Oh nein! Vielleicht denkt der jetzt, ich gucke doof! Oder wenn ich nicht gucke, denkt er, ich schaue extra weg! WAS. MACH. ICH. JETZT?? Augen zu??"
Wobei mich der Blinde natürlich gar nicht sieht, ich weiss, aber ich bin mir sicher, dass er SPÜRT, wenn ich ihm aus dem Weg gehe oder nervös werde.

Oh, mann.
Völlig bescheuert, ich weiss.

Aber grad vor ein paar Tagen ist es mir wieder passiert. Ich sitze im Zug und ein junger Mann mit Down Syndrom (darf man das eigentlich auch nicht sagen??) setzt sich mir vis-à-vis. Und da fängt es gleich wieder an in meinem Kopf: "Hilfe. Hiiiilllfffeeeee!! Hoffentlich redet der nicht mit mir! Was sag ich bloss, wenn er etwas sagt?" Und dann so voll demonstrativ in die Zeitung starren und dazu die Kopfhörer in den Ohren. "Ich bin nicht da! Versuch es gar nicht erst! Ich bin überhaupt NICHT DA!"
Der junge Mann spricht dann aber gar nicht mit mir, sondern mit seiner Mutter am Handy. Das ist auf Lautsprecher gestellt.
"Mama, dä Zug hät e Störig. Er fahrt nöd ab." (WAS? Hätte ICH ja nicht mal gemerkt, denn ich war ja mit meiner Zeitung und dem Ipod beschäftigt. Jetzt werde ich noch nervöser...)
Die Mama, sehr laut: "Gang uf Gleis 17! Jetzt! SOFORT!"
Ihr Sohn: "Es hät e Störig. Es staht uf dä Tafle." (Scheisse, tatsächlich!)
"Ja, du muesch uf Gleis 17. Deet fahrt dä Zug! Ich ha nahgluegt uf GOOGLE!" (Google hat auch Fahrpläne? Wow!)
Der junge Mann zögert. "Ich weiss nöd, was es isch, aber es staht uf dä Tafle, e Störig."
"Nöd studiere jetzt, JETZT STIEGSCH UUS UND GAHSCH UF GLEIS 17, SOFORT!!!!"
Mir tun die Ohren weh. Dieses Gekeife dringt durch Mark und Bein!

Aber soll ich jetzt auch das Gleis wechseln? Und den jungen Mann gleich mitnehmen?
Irgendwie kann ich mich nicht bewegen
Da fährt der Zug plötzlich an, der Mann ist mit seinem Telefon aber bereits zur Treppe gegangen (wir sitzen oben) und wird so von seiner Mutter vollgeschrien, dass er das gar nicht merkt. 
Soll ich ihn darauf aufmerksam machen? Oder ist das blöd? Unhöflich?

Eine Frau im Abteil vor mir tut jetzt das, was ich mir nur vorgestellt habe. Sie steht auf, bittet den Mann höflich um sein Telefon und spricht mit der genervten Mama.
"Grüezi! S isch alles guet, dä Zug fahrt jetzt!"
"WAS!!! Dä Zug fahrt und er isch nöd drin???!!!"
"Momoll, er isch drin, alles guet!"
"Ja, GOPF NONEMAL, ich han em's doch gseit, er...!
"Er isch im Zug, keis Problem!"
"Aso, er isch DRIN??"
"Jaja!"
"Er isch DRIN und dä Zug fahrt??!!
"Genau."
"Aaaaaaaah, guet!"
Der junge Mann mit Down Syndrom (oder sagt man jetzt Trisomie 21 oder was??) hat sich mittlerweile wieder zu mir gesetzt und schaut lächelnd zum Fenster hinaus. Ich weiss nicht, ob er so fröhlich ist, weil der Zug jetzt doch nicht kaputt ist, oder weil seine Mutter mal jemand anderem auf den Sack gehen konnte als ihm. Allerdings ist seine gute Laune ansteckend.
Mit mir spricht er auf der ganzen Fahrt kein Wort. 
Und ich weiss immer noch nicht, wie ich ihn politisch korrekt beschreiben könnte.

Aber eines weiss ich: Seine Mutter ist eine dumme Scheese.

Dienstag, 31. Oktober 2017

77 Die Geschichte mit dem P.....

Letztens ist mir eine uralte Geschichte aus meinem Leben wieder eingefallen:

Es ist wohl so 17 Jahre her (scheisse, bin ich alt!). Ich war noch Studentin (scheisse, bin ich ALT!!), und quetschte mich eines abends, es regnete in Strömen, in ein total überfülltes Züri-Tram in Richtung HB (ich wohnte damals noch in der Agglo - SCHEISSE, BIN ICH ALT!!!).
Es war so eng, dass ich nicht mal bei einer Vollbremsung hingeknallt wäre. Sardinenbüchse par excellence.
Plötzlich merkte ich irgendwas an meinem Gesäss. Da presste etwas dagegen. Oder bildete ich mir das nur ein? Zuerst war noch meine Umhängetasche dazwischen (eine blauweissrote aus Leder mit dem gallischen Hahn drauf, ich erinnere mich noch genau - alle Frankreich-Fans hatten immer ihre helle  Freude an mir,  mir aber gefielen einfach die Farben so gut). Aber als die sich langsam zur Seite schob, spürte ich es ganz genau: Etwas rieb sich an meinem Hintern, oder besser gesagt: Jemand. Noch besser gesagt: Ein gewisses Körperteil von jemandem.

Weil ich mich kaum bewegen konnte in dieser Masse von Pendlern, gelang es mir auch nicht wirklich, mich umzudrehen. Ich verrenkte mir fast den Hals, um hinter meinen Rücken zu schauen, und aus dem Augenwinkel konnte ich schliesslich einen Typen im Trenchcoat ausmachen. Er hatte einen Schirm dabei, das weiss ich noch, sein Gesicht allerdings ist in meinen Erinnerungen längst verblasst. Wohl aus gutem Grund, denn sich so jemanden zu merken, lohnt sich echt nicht, sagte sich mein Hirn offenbar.




Ich versuchte, ruhig zu bleiben. Das ist doch nur sein Schirm, redete ich mir ein.
Ok, nein, den hat er ja unter dem Arm, der reicht nicht bis zum meinem Arsch hinunter.

Aber es ist ja so eng im Tram, es ist ja wohl auch völlig unmöglich, mich NICHT zu berühren.
Das wohl nicht, aber dass jetzt ausgerechnet sein PIMMEL an meinem Arsch parkiert werden musste, hätte sich doch eigentlich verhindern lassen, oder nicht? Und wieso bewegt der sich hin und her, wenn wir hier doch alle so komplett eingequetscht sind? Das können jetzt nicht die verbogenen Schienen im stadtzürcher Tramnetz sein, dass es so ruckelt, oder? Wäre mir jedenfalls noch nie aufgefallen vorher...

Ok, der Fall war klar, es liess sich nicht schönreden: Da nützte gerade einer den Stossverkehr (hihi, passendes Wort!) aus und geilte sich an mir auf.

Was tun? 
Losschreien und den Typen mit allen Schimpfwörtern eindecken, die mir gerade so einfielen, so dass das gesamte Tram zu uns rüberstarren würde?
Nach hinten ausschlagen, so gut das in dieser dichten Masse ging und hoffentlich IHN am Schienbein treffen und nicht die ältere Damen neben ihm?

Nun, ich war jung und noch etwas schüchterner als heute. Ich wollte für keinen öffentlichen Aufstand sorgen. Das wäre mir peinlich gewesen. Ausserdem schwirrte immer noch der Gedanke in meinem Kopf herum, ich könnte mich ja doch irren. Und wenn das auch nicht so war: Der Typ könnte genau das behaupten, er habe ja schliesslich nichts dafür, müsse er so dicht an mir stehen, und das sei seine HAND und nicht sein Geschlechtsteil. Und dann stünde ich als komplett durchgeknallt da.

Also, hielt ich schön brav die Schnauze.

Am HB hielt das Tram und alle stiegen aus. Ich dachte: "Jetzt!" und sah mich nach dem Perversling um. JETZT könnte ich ihm endlich meine Meinung sagen, ohne, dass wir gleich 200 Zeugen hätten. Aber natürlich waren der Typ und sein Schirm so schnell weg, wie ich gar nicht kucken konnte. Ich schaute über meine Schulter hinter auf das Stück Mantel über meinem Hintern. 
Da waren weisse Flecken drauf...

Ende der Geschichte. 

Hätte es damals schon Social Media gegeben, hätte ich sie mit #MeToo posten können. Ok, ich könnte das auch heute noch machen, ist ja gerade in, Männer an den Pranger zu stellen, die Frauen falsch angefasst, falsch angequatscht, falsch behandelt haben.

Aber wisst ihr was? 
Ich habe keine Lust dazu. 
Und ich halte es auch nicht für nötig.

Als Frau macht man so ähnliche Erfahrungen wie ich damals im Tram wohl öfters im Leben. Das heisst jetzt nicht, dass ich das Ganze als harmlos abtue und damit sagen will: "Girls, live with it!"
Nein, natürlich ist das scheisse, wenn einem jemand seinen Pimmel an den Arsch drückt, ohne dass man ihn zuvor darum gebeten hätte! Und NEIN, das geht wirklich nicht!!
Aber das ist etwas, dass ich solchen Männern gerne persönlich sage - also, normalerweise, beim Tram-Arschloch habe ich es halt vergeigt. Ich muss mich nicht im Internet über sie auslassen und wutentbrannt klar machen, dass ich eben AUCH so ein armes Opfer lüsterner Doofköpfe bin.

Denn ich BIN kein Opfer! Und ich will auch keines sein!

Ich kann mich wehren, und hätte das damals auch im Tram gekonnt.
Ich hätte ihm eine runterhauen, ihn zusammenschreien oder ihn anzeigen können, wenn es mir danach besser gegangen wäre. 
Aber nur, weil jetzt gerade bestimmte Hashtags trendy sind und es plötzlich allen Frauen dieser Welt einfällt, dass sie ja auch irgendwann mal unsittlich betatscht wurden und dass das eigentlich gar nicht geht, muss ich mich nicht öffentlich und für alle ersichtlich im Netz darüber auslassen und am besten auch gleich alle Menschen mit einem Y-Chromosom unter Generalverdacht stellen (wow, das ist glaub's der längste Satz in diesem Blog ever!). 
Der Typ im Tram war kein Produzent, der systematisch seine Macht-Position ausnützte. Ich finde, das ist dann schon eine andere Dimension, und wenn es niemand schafft, einem solchen Schmierfinken das Handwerk zu legen, dann kann man auch öffentlich vor ihm warnen.
Aber der mit dem Regenschirm war einfach nur ein sehr trauriger Zeitgenosse, der offenbar ausserhalb eines vollgestopften Trams keine Frau abkriegt. 
Ehrlich gesagt, bin ich nicht mal wütend auf ihn. 
Er tut mir leid.

Frauen, wehrt euch! Aber sofort, wenn sowas passiert, und nicht 17 Jahre später online! 

Samstag, 7. Oktober 2017

76 Glücklicher, magerer, allergiefreier Käse

2017, ich lade ein zum vorweihnachtlichen Raclette-Spass, wie jedes Jahr:

Gast 1: "Waaaassss, du kommst erst jetzt damit? Sowas musst du im Frühsommer verschicken, vor Weihnachten bin ich immer total ausgebucht!!"

Gast 2: "Ouuuu, Raclette...! Weisst du, seit ich schwanger bin, vertrag ich nichts Schweres..."
Ein paar Kartöffelchen?
"Aber nur schon der Geruch von Raclette dreht mir den Magen um...!"
Cornichons. Die geilen, mit Knoblauch.
"Ich komme!"


Gast 3: Moment, den kann ich ja gar nicht einladen, der ist ja Veganer. Oder gibt es veganen Raclette-Käse? Mal googlen... 
Bei Coop und Migros nicht. 
Ah, kann man selber machen. 
...
Was bitte ist Hefeschmelz? Cashew-Crème?
...
Viiieeel zu kompliziert! Wird dann mal zum Gemüse-Couscous eingeladen.

Gast 4: "Ich ess dann aber keine Kartoffeln, ich muss abnehmen."
Aha, und Käse macht nicht dick?
"Neee, der hat doch keine Kohlenhydrate!"

Gast 5: "Kannst du bitte auch laktosefreien Käse kaufen? Du weisst, ich bin allergisch."
Klar.
"Und Brot anstatt Kartoffeln? Ich esse Raclette lieber mit Brot."
Klar.
"Aber glutenfreies Brot, bitte, sonst bin ich wieder tagelang aufgebläht!"
KLAR! 

Gast 6: "Aber gell, ich trink dann einfach wieder keinen Alkohol, weil, ich mach immer diesen alkfreien Monat vor Weihnachten, ich hab sooo viel getrunken in letzter Zeit, und jetzt geht's dann wieder los mit all den Festtags-Apéros und Familienschläuchen, und da gibt's wieder soooo viel Alkohol überall, ich trink dann einfach Wasser, gell, oder Tee oder so."
Trinkt wieder sechs Glühwein wie letztes Jahr, bin ich sicher.

Gast 7: "Ui, Raclette...! Ich schlaf doch immer so schlecht mit so viel Fett im Bauch! Wieso kannst du nicht mal was anderes machen?"
Wird nicht mehr eingeladen.

Gast 8: "Aber, gell, du kaufst das Raclette dann schon im Chääslädeli und nicht im Coop, weil, der ist nämlich viiiieeeel feiner, und es hat so ganz tolle, spezielle Sorten wie Curry-Banane und Salbei-Mandel-Kreuzkümmel und über dem Tannenholz geräuchert und so, also, das sollte dir das Geld ja schon wert sein, lieber was qualitativ Besseres als diese Massenware vom Coop, und das Geld im Chääslädeli geht fall auch direkt an die Bauern, das ist viiiieeeel fairer, von den Grossverteilern erhalten die ja fast gar nix, ich sag's dir, das ist so eine Schweinerei, und wenn du im Chääslädeli kaufst, dann kannst du auch gleich sicher sein, dass der Käse vom Hof in der Region stammt, wo die Kühe noch glücklich sind und frei auf der Weide herumrennen können und so."
Ah ja? Hast du sie gesehen?
"Nein, aber wenigstens ist es BIO!"

Von dem her: En Guete und fröhliche Weihnachten schon mal! 



Sonntag, 10. September 2017

75 Tschüss oder so

Nun ist es also so weit: 
Ich bin eine Halbwaise.

Ja, tatsächlich: Der grösste Albtraum, der einen schon seit der Kindheit heimsucht, wird eines Tages Realität. 
Eltern sterben. Naturgemäss vor ihren Kindern.
Und deshalb kommt kaum einer drum herum. Auch ich nicht, leider.

Natürlich hab ich mir gewünscht, dass mir das erst passiert, wenn ich selber sehr, SEEEHR alt bin. Aber hey, wen da draussen interessieren die eigenen Wünsche, oder?
Auch hab ich immer gedacht, wenn das erste Elternteil stirbt, dann bleibt die Welt stehen. Dann geht die Sonne nicht mehr auf. Dann halten alle da draussen den Atem an.
Aber auch das traf nicht ein. Das Leben geht weiter. Unerbittlich. 
Und man funktioniert, tatsächlich. Ich hätte das nicht geglaubt, aber es ist so. Man macht einfach weiter.

Der Tod ist ein Arschloch. Nicht unbedingt immer für denjenigen, der stirbt. Aber sehr oft für die Hinterbliebenen. Weil sich für die alles ändert.
Und da macht es nicht wirklich einen Unterschied, ob man sich jetzt mit dem Toten zu Lebzeiten besonders gut verstanden hat oder nicht. Die Welt ist in jedem Fall nicht mehr so wie vorher und wird es nie mehr sein. Und der Mensch ist ein Gewohnheitstier, wer kann schon einfach so mühelos loslassen? Ich jedenfalls nicht. Ergo ist dieser Gedanke, dass eine Ära jetzt für immer vorbei ist, ziemlich beschissen.


Noch beschissener ist, dass die Gesellschaft einem ja irgendwie vorschreibt, wie man zu trauern hat und wie nicht. 

Ob ich mich habe verabschieden können. 
Nicht wirklich. Der Tod war schneller als ich. Und hatte sich angeschlichen. Aber auch, wenn er sich langsam angekündigt hätte: Was hätte ich denn sagen sollen? Irgendwelche magischen letzten Worte, die man nur einem Sterbenden sagen kann, einem in der Blüte seines Lebens aber nicht? Oder einfach "Tschüss!"? Hätte mir oder dem Sterbenden das irgendwie was gebracht? Soll ich wirklich auf eine tote Hülle hinunterschauen und daraus Trost schöpfen?
Kann jeder machen wie er will. Aber dieser Anblick sollte nicht der letzte in meiner Erinnerung sein. Und das macht mich jetzt nicht zu einem lieblosen Arschloch, glaube ich.

Ob ich denn auch mal weinen würde.
Klar, stellt euch vor. Oft sogar. 
Aber tut mir leid, breche ich nicht überall öffentlich in Tränen aus, und möchte ich meine Situation  nicht wieder und wieder aufrollen, vor allen und jedem. Trauer ist persönlich und geht niemanden etwas an. Und auch, wenn ich nicht weinen würde: Es würde nicht bedeuten, dass ich ein liebloses Arschloch bin. 

Wieso kein Mausoleum mit einem Riesenmeer aus Blumen?
Vor allem, weil es nicht dem Wunsch des Toten entsprochen hätte. Und weil ich Trauer, Liebe und Würde nicht mit der Grösse eines Grabs zum Ausdruck bringe. Oder überhaupt mit einem Grab. Weil ich nicht will, dass irgend ein Fremder von der Kanzel herunter etwas über mein totes Elternteil erzählt, dabei hat er es kein einziges Mal getroffen. Weil ich Friedhöfe deprimierend finde und diese riesigen Flächen lieber als Spielplätze für Kinder oder Parkanlagen nutzen würde. 
Und auch das macht mich nicht zu einem lieblosen Arschloch, glaube ich. 

Fakt ist: Wir, die zurückbleiben, müssen mit dem Tod zurecht kommen. Und es ist die grosse Herausforderung, herauszufinden, wie das am besten geht. Da helfen weder Traditionen, noch festgefahrene Denkweisen noch Richtlinien der Stadt. Also, mir jedenfalls nicht.

Ich möchte hier nicht breittreten, wie ich zu meinem verstorbenen Elternteil stand. Was es für ein Leben hatte, was für eine Persönlichkeit, etc. Das ist mir zu intim, und ich überlasse diesen Einblick in die Privatsphäre all denjenigen, die auch gerne Ultraschallfotos ihrer ungeborenen Babys im Internet posten. Und mir dort weismachen wollen, wie wichtig und glücklich ihre Leben doch sind.
Toll, aber wenn man eben ein Leben ausserhalb der social media führt, so mit echten Menschen in der echten Welt, dann ist das nicht nur immer schön. Und das ist sogar ok, weil eben: Richtiges Leben. 
Eines der letzten SMS, das mir mein Elternteil vor seinem Tod schickte, war ein Zusammenschiss. Ich wollte die SMS eigentlich löschen, aber ich hatte damals schon eine Vorahnung. Was, wenn das die letzte Message überhaupt ist...? Ich sollte recht behalten. Und es ist nicht schlimm, haben wir uns in unserer letzten Unterhaltung nicht noch endlose Liebe geschworen. An der zweifle ich ja nicht, ich brauche sie nicht schriftlich. Und auch nicht auf Facebook.
Ich lese die SMS heute noch ab und zu und muss ein bisschen lachen. Sie widerspiegelt einfach das reale Leben. 

Zu dem gehört auch der Tod. 

Ja, ich weiss, das sagen alle. Und es tröstet nicht mal. Ich bin viel zu jung, um Halbwaise zu sein!
Eltern sterben, alle sterben, und man kann nichts dagegen tun. Das ist scheisse. Ich fühle mich scheisse. 
Aber wahrscheinlich irgendwann nicht mehr. Dafür sorgt schon das Leben. 

Mittwoch, 16. August 2017

74 Die Rache der kleinen Arschlöcher

Sommerzeit ist Arschlochzeit.

Sorry, ich will niemanden beleidigen. 

Es geht um die Fruchtfliegen. Auf meiner Liste der Hasstiere gleich hinter den Mücken auf Rang 2. Und das sagt eine Vegetarierin: «HASSTIERE»! Da muss man wirklich ein richtiges Arschloch sein, um auf diese Liste zu kommen und von mir kein Mitleid zu erhalten, und Fruchtfliegen erfüllen leider alle diese Voraussetzungen. Winzige fliegende Arschlöcher sind das, die jeden Sommer wieder meine Wohnung belagern. Wie Poltergeister immer wieder unerwartet auftauchen. In jeder Wohnung, die ich jemals hatte. 

Ja, genau, WOHNUNG! Es ist ja nicht so, als würden sie sich nur auf meine Küche beschränken! Ne-eeiiiinnn!! Nehmen grad alles in Beschlag, diese Möchtegern-Invasoren, vor allem das Bad! Danke auch, wirklich sehr hygienisch, pissen und duschen inmitten eines Schwarms schwarzer Punkte, der einem um den Kopf schwirrt, und seinerseits sein Geschäft (kacken Fliegen eigentlich?) auf meinem Badezimmerspiegel hinterlässt. Jedenfalls ist der jeden Tag verschmiert, und von MIR kommt das also nicht!
Und auch in der Küche finde ich es einfach eklig, wenn sich, sobald ich irgendwo einen Schrank öffne oder eine Tasse von der Spüle nehme oder koche (ok, kommt selten vor), sofort eine riesige schwarze Wolke in die Lüfte emporhebt!  Ich liebe ja Horrorfilme, aber nur im FERNSEHEN!

Ich habe sechs Fallen aufgestellt. SECHS! Der alte Trick: Lecker Fruchtsaft in einen Behälter, ein paar Tropfen Spülmittel rein, damit die gierigen Biester beim Trinken (haben Fliegen eigentlich Durst?)  gleich auch noch ersaufen. Und das machen sie auch, zu Hunderten – allerdings bringt das nicht viel, weil einfach noch Millionen von ihnen übrig bleiben (wie fleissig reproduzieren sich Fliegen eigentlich?), die dann weiter durch meine Wohnung schwirren und mir den Sommer zur Hölle machen!!

Und jetzt kommt die grosse Frage: Wieso suchen diese Arschlöcher jedes Jahr ausgerechnet MICH heim?

Denn bei mir gibt es für die einfach rein gar nichts zu holen! Es liegt bei mir keine Frucht, kein Gemüse herum, das nicht in eine Dose gepresst oder vakuumiert wurde!! Ich bin jetzt nicht gerade für meine gesunde Ernährung bekannt.
Herrgott, geht doch zu einem Veganer oder einer Clean Eaterin, da wärt ihr viel glücklicher!! Was wollt ihr von mir? Meine Vitamintabletten auf dem Küchentisch? Meine Kaffeekapseln? Und im Bad mein teures Arganöl-Shampoo oder was?


Es ist mir ein Rätsel. 

Aber ich habe einen Verdacht.
Es geht um den Biologieunterricht damals im Gymnasium. Da haben wir einst Fruchtfliegen gezüchtet und sie intellektuell fancy Drosophila genannt. Die Viecher sind offenbar irgendwie besonders gut dazu geeignet, irgendwas Genetisches nachzuweisen, an das ich mich nicht mehr erinnern kann. Wir hielten sie in Gläsern, und um sie genauer untersuchen zu können, betäubten wir sie mit Äther.  

Ging natürlich bei ziemlich allen gründlich schief, und die Drosophila flogen nie wieder...

Ergo vermute ich, ihre Invasion bei mir heute ist wahrscheinlich ihre alljährliche Rache an meiner fahrlässigen Tötung von damals. Es tat mir auch wirklich sehr leid und war keine Absicht, aber ja, objektiv gesehen habe ich wohl eine Strafe verdient.

Nur übertreiben es diese kleinen Arschlöcher wirklich masslos!!

Und es bleibt mir deshalb nur eines: Sie abzuschlachten. Mit einem Küchentuch. Mach ich aber nicht selber, um Bösewichte zu vertreiben, hab ich ja schliesslich den Helden (wer sich nicht erinnert: siehe Frau Bitterbös 59). Und ich will mich nicht noch mehr versündigen, als ich das mit dem Äther und den präparierten Fruchtsäften ja eh schon getan habe. Sonst wird die Rache dieser nachtragenden Biester künftig noch heftiger.

(wie sieht es eigentlich mit dem Erinnerungsvermögen von Fliegen aus?)


Dienstag, 25. Juli 2017

73 Nicht ohne mein Velo

Wie ihr ja, glaub ich, unterdessen mitbekommen habt, bin ich so eine richtig urchige Zürcherin.
Ich fahre nämlich überall mit dem Velo hin.
Zum Beispiel jeden Morgen an den Bahnhof.
Und ich stelle mein Velo wie eine richtige Eingeborene auch überall ab. In Zürich heisst das: Überall, wo ein Velo noch irgendwie ganz knapp Platz findet. Ich meine, in einen Veloständer für 6 Velos passen ja easy auch 20 rein.  Und wieso den markierten Veloparkplatz im Notfall nicht eigenmächtig erweitern, das merkt doch niemand, so 3 Kilometer über die gelbe Linie hinaus. 
In Tsüri geht das.
Kein Problem.

Das Problem kommt erst, wenn man sein Velo dann wieder abholen will. 
Bei mir fängt das jeweils an, wenn ich aus dem Zug steige. 
"Ööhm, Moment. Hab ich das Velo jetzt an der Europaallee, vor dem Coop oder an irgend einem x-beliebigen Laternenmast mit dem Schild 'VELOS ABSTELLEN VERBOTEN!' angekettet? Oder war es doch die andere Seite, dort beim Sihlquai?"
Ziellos irre ich dann in den unterirdischen Hallen des HBs umher, gehe eine Treppe rauf, dann wieder runter, weil ich mich zu irren glaube, eine andere wieder rauf. Ich versuche, mich krampfhaft an den Morgen zu erinnern, die gespeicherten Bilder in meinem Kopf abzurufen, aber alles nach dem Zähneputzen ist irgendwie schon längst verblasst.
Irgendwann beschliesse ich dann, dass meine Phantasie nicht ausreicht. Das einzige, was hilft, ist, aktiv werden. 
Und das ist dann der Startschuss für das allabendliche Ablatschen der unendlichen Weiten der Zürcher Velo-Ozeane, die sich rund um den Bahnhof ergiessen. 

Ich frage mich manchmal, ob der eine oder andere nicht schon einen Velodieb in mir vermutet hat, wie ich da so geduckt Reihe um Reihe der Zweiräder entlangschleiche und neugierig in die Menge spähe, offensichtlich auf der Suche nach einem SCHAAATTTTZZZZZZ.
Aber nein, ich will tatsächlich keinen guten Fang machen, ich will ja nur mein eigenes schrottreifes, rostiges, hässliches Citybike finden, von mir liebevoll "Bahnhofsvelo" genannt, denn für mehr als zum Pendeln zwischen Wohnung und HB taugt es wirklich nicht. Und ich hüte mich, mein wunderschönes, nostalgisches Retrobike mit den hellen Reifen und der riesigen, glänzenden Glocke für diese Strecke zu benützen! Es steht seit 5 Jahren eingesperrt in meinem dunklen Keller,  dort ist es sicher, abgeschottet von der Aussenwelt, in Quarantäne, damit kein anderes Velo, keine andere Hand, keine bösen Blicke ihm auch nur ein einziges Leid zufügen können, HA!! 
Was man liebt, muss man eben schützen!!

Ich bin es noch nie gefahren.


Wenn ich dann jeweils Glück habe abends, dann erspähe ich mein Bahnhofsvelo tatsächlich irgendwo in der Masse. 
Aber damit ist es dann noch längst nicht ausgestanden. Denn die nächste Herausforderung steht an: Wie bringe ich mein Velo jetzt aus diesem endlosen Gewirr aus Lenkern, Satteln und Reifen heraus?

Mit Gewalt, das ist hier wirklich die einzige Lösung. Und sie hat Folgen: Jeden Tag geht es meinem Bahnhofsvelo schlechter. Dort wieder ein Kratzer mehr, die Speichen noch mehr verbogen, das Licht kaputt, ein Schutzblech abgerissen.
Ich muss mit meinem treuen Weggefährten regelmässig zum Doktor. Wobei ich zugeben muss, dass ich immer nur das nötigste wieder zusammenflicken lasse. Aber jedes Mal warnt mich der Velomech, dass dieses und jenes also auch mal GAAAANNZ DRINGEND angeschaut werden müsste, und er wirft mir dann jeweils diesen ganz besonderen, strengen Blick zu, der wohl bedeutet: "Du bewegst dich auf ganz dünnem Eis, Mädchen! Wenn du dir mit diesem Lenker nicht ein Karpaltunnelsyndrom holst, oder Hämorrhoiden auf diesem Sattel, dann wohl bald den Tod, angesichts dieser Bremsen...!"
Aber ich wiegle dann immer ab. Sorry,  jede Investition in diesen Göppel ist rausgeschmissenes Geld, da spätestens am nächsten Tag ja eh schon wieder kaputt!

Ich gebe zu: Manchmal habe ich auch keine Lust auf das bahnhofsche Velochaos. Dann lasse ich mein Bike einfach stehen und fahre mit dem Bus nach Hause. 
Und am nächsten Tag stürme ich dann wie immer total zu spät dran und gehetzt aus dem Haus und weiss, ich habe jetzt noch genau 7 Minuten, bis der Zug fährt (10 ist die absolute Deadline!!), will auf mein Velo springen - und merke dann: Scheisse, im Gegensatz zu mir ist DAS ja schon am Bahnhof.

Tschüss, Zug!

Und übrigens steht ein Velo, dass sich bereits seit einem Tag am HB befindet, dann ganz in der Mitte des blechernen Ozeans, GAAAANZZ IN DER MIIITTTEEEE!!!!!!

Dienstag, 4. Juli 2017

72 Einhorn-Kotze

Ich würde jetzt wirklich gerne mal wissen, was das eigentlich ist mit diesen Einhörnern.
Ich meine, warum trifft man die auf Schritt und Tritt an, warum muss alles ein Horn haben und in Regenbogenfarben sein zur Zeit? Süssigkeiten, Kleider, Luftmatratzen, Schminke, Handyhüllen - Einhörner sind der letzte Schrei. 

Woher kommt dieser Boom?

Wissensdurstig wie ich bin, hab ich mich mal seriös schlau gemacht: 
Das Einhorn wurde schon in der Antike erwähnt. Eine Art Pferd oder Ziege mit eben einem Horn in der Mitte der Stirn. Diesem sprach man heilende Kräfte zu. 
Naja, irgendwie musste man sich damals ja die Welt erklären, warum also nicht mit Fabeltieren. Und fake news konnte man ja noch nicht wirklich überprüfen, gab keine Handykameras, kein Internet und keinen Trump
In der Bibel ist das Einhorn dann auch zu finden. Aber offenbar mehr durch einen Übersetzungsfehler. Gemeint war wohl der Auerochse, und der hatte mit Sicherheit ZWEI Hörner auf dem Kopf. Weil er auf Gemälden aber eindimensional und von der Seite dargestellt wurde, sah es so aus, als hätte er eben nur eins. Deshalb der Irrtum.
Also, irgendwie so hab ich das verstanden. 
Egal, das Einhorn blieb Fabeltier, auch im Mittelalter und in der Neuzeit. Es galt als Symbol des Guten, ein weisses Pferd mit Horn ("schneckenartig gedreht" und bis zu einem halben Meter lang, ganz wichtig!), und unter diesem vermutete man jetzt gar einen roten Edelstein mit Superkräften. 
Kann ja alles sein. Vielleicht waren damals auch wirklich mal Pferde unterwegs mit einem genetischen Defekt, oder eine Kuh, der nur ein Horn wuchs oder was weiss ich. Lässt sich ja irgendwie alles noch rational erklären.


Ich frage mich einfach nur, wann das mit dem Pink und den Regenbogenfarben dazukam.
Warum genau sollten Einhörner Mähnen und Schweife in allen Farben haben und rosarot kotzen (und ich diese Kotze dann auch noch trinken, in Form eines völlig überteuerten pinken "Einhorn-Frappuccino" im Starbucks)?
Können sie sich so bunt im Wald besonders gut verstecken? Oder wo leben die eigentlich, im Himmel oder in einer psychedelischen Parallelwelt, wo sie in dieser Aufmache garantiert nicht auffallen?

Also, MEINE allererste Begegnung mit einem Einhorn war ja als Kind, im superschönen Zeichentrickfilm "The last Unicorn" - was hab ich geheult über das krasse Schicksal dieses anmutigen Tieres mit diesen grossen, tieftraurigen Augen! 
Und es war  im Fall strahlend weiss und kotzte keine Regenbögen!

Oh Gott, jetzt musste ich grad den Titelsong dieses Filmes auf Youtube nachschauen, wie herzzerreissend! "I'm aliivvee, I'M ALIIIIIIIIIIIVVVVEEEEEE, when the last moon and blablabla...!!!" - DAS war noch Kunst!
Wie auch immer.
Jedenfalls waren für mich nach diesem Film die Einhörner auch wieder verschwunden. Sie begleiteten mich nicht wirklich durch meine Kindheit, mehr so Pink Panther, die Schlümpfe und Biene Maja. Aber dann so, plötzlich, 30 Jahre später: TADAAAAA!!!
Wer um Himmels Willen hat das Viech wieder ausgegraben?? Und siehe da, es ist auferstanden und hat sich transformiert, ist jetzt ganz farbig und glitzrig! Und man darf es jetzt auch cool finden, wenn man längst volljährig ist, nein, man muss sich nicht mal für seine Einhorn-Pumps und Einhorn-Clutches schämen!

Ok, ich möchte hier aber klarstellen, dass ich über KEINE Einhornartikel verfüge. Allerdings gebe ich freimütig zu, vor nicht allzulanger Zeit einen Einhorn-Kuchen gebacken zu haben. Nicht für einen Kindergeburtstag, für einen 35. Und man gratulierte mir tatsächlich zu diesem feinen Schoggi-HUND!
Ja, ich muss es leider sagen, eine Schönheit war meine Einhorn-Kreation nicht...

Ich verstehe diesen ganzen Einhorn-Boom nicht wirklich. Ich meine, das Fabelwesen steht zwar für etwas Positives, Mystisches, Schönes. Könnte schlimmere Rollenbilder geben. Aber ich würde trotzdem kein solches Viech im Garten haben wollen. Ich stelle mir so ein riesiges, spitzes Horn ziemlich - ähm - unpraktisch vor. Du willst das Ding streicheln, dann  eine falsche Bewegung, und es spiesst dich unabsichtlich auf. Müsste ich jetzt auch nicht meine Kinder drauf setzen oder ähnlich, Pferd hin oder her.

Und farbige "Einhorn-Guetzli" könnte man auch einfach als "Regenbogenguetzli" verkaufen. Und "Einhorn-Kotze" als "Pinkes Kaffee-Kaltgetränk". 

Aber jetzt muss ich gleich diesen Film nochmals kucken. Sweet memories! Hach....



Mittwoch, 7. Juni 2017

71 Das rosarote Verbrechen

Kürzlich war so einer dieser Tage.

Ich ging nichtsahnend im Zürcher Kreis 2 eine Strasse entlang, als ich an so einem Vintage-Laden vorbeikam. Er war mir vorher noch nie aufgefallen, wobei ich auch zugeben muss, in diesem Quartier war ich eigentlich auch nur sehr selten unterwegs.
Gebrauchte Kleider zu günstigen Preisen. Gebrauchte fancy Kleider. Natürlich weckt sowas bei uns Frauen die Neugier.
Die Tür war offen und ich warf einen Blick hinein. Er fiel zufällig auf einen Ständer mit so kitschigen Glitzerfummeln. Ihr wisst schon, so im Stil: "Ich geh an einen Highschool-Ball und habe mich noch nicht ganz gefunden. Ich mach am Schönheitswettbewerb in unserem Dorf mit und bin mega chic. Ich bin Brautjunger an der Hochzeit von Irish Travellers. Ich moderiere im italienischen Fernsehen. Oder einfach: Die Kardashians tragen sowas doch auch."
Jedenfalls kann ich es nicht erklären, aber es machte plötzlich KLICK in meinem Kopf. Ich vergass meine ursprünglichen Pläne, betrat den Laden und steuerte schnurstracks auf den Glitzerständer zu. Ich zog ein kurzes Kleid mit blauen Pailletten und Schulterpolstern heraus. Es passte wie angegossen, war mir aber nicht cheesy genug. Also fragte ich die Verkäuferin, ob sie sowas ähnliches nicht auch in lang hätte. "Geben Sie mir einfach das schlimmste, das sie haben!"
Sie guckte mich ein wenig irritiert an.

Aber dann zeigte sie mir IHN, den Stoff gewordenen Alptraum aller Möchtegern-Prinzessinnen von und zu Geschmacksverstauchung.:
Ein schulterloses, bodenlanges, rosarotes Etwas mit Rüschchen, Riemchen und natürlich jeder Menge Strasssteine von oben bis unten.

Es war grauenhaft.
Es war eine Offenbarung.


Ich quetschte mich in der improvisierten Umkleide in dieses modische Kapitalverbrechen, und im Spiegel sah ich so aus, als hätte ich mich für die Fasnacht gleichzeitig als Mettwurst und als Einhorn verkleidet.

Perfekt!

Sehr zur Freude der Verkäuferin ("En super Priis für son es tolls Chleid!") liess ich mir das viel zu teure Kleid in eine Tüte packen und verabschiedete mich freundlich.
"En schöne Alass dänn!", rief sie mir noch hinterher.
Ohne Scheiss?
Die gute Frau glaubt wirklich, ich würde sowas an den Opernball anziehen oder die Hochzeit meiner besten Freundin? Bin ich etwa lebensmüde?

Es war einfach so ein Tag, an dem ich mir ein rosarotes Glitzerkleid gönnen musste. Eines, dass wirklich nur als Verkleidung dient. Für eine irrwitzige Performance, die mir sicher einfallen wird. Vielleicht hänge ich es aber auch nur auf und kucke es jeden Tag an. Wer weiss.
Ich brauchte einfach dieses Kleid.
Wahrscheinlich schüttelt ihr jetzt ungläubig die Köpfe. Aber hey, ich meine, ist das jetzt echt so mega ungewöhnlich in einer Welt, in der sich Menschen an einem Kinder-Pop-Konzert in die Luft sprengen, Flüchtlinge in der Wüste verdursten lassen, ihre Magersucht auf Instagram dokumentieren und nicht mal die paar möglichen Sätze auf Twitter ohne Rechtschreibefehler schaffen?

Seid doch froh, kauf ich da nur rosarote, kitschige Kleider. Ich könnte ja gaaaaanz anders. 

Montag, 15. Mai 2017

70 Meiteli, wänn dü witt go tanze

Wenn man im Briefkasten eine persönliche Einladung liegen hat für eine TANZVERANSTALTUNG (O-Ton!) Ü40 im KIRCHGEMEINDEHAUS - dann hat man es geschafft, oder?

Mehr mag ich dazu nicht sagen.









Ok, doch: AAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ich geh jetzt heulen.


Dienstag, 2. Mai 2017

69 KKRZZHGFLOPPW!!

Habt ihr mich vermisst?
Mein letzter Eintrag ist schon etwas länger her, ich weiss. Sorry, aber ich bin aus Zürich, ich hab immer wahnsinnig viel Stress. Und jetzt war ich auch noch ein paar Tage auf Reisen. Letztes Wochenende kam ich nach Hause, und so als Begrüssungsgeschenk von Unbekannt erwartete mich eine vollgeschmierte Haustüre. Noch vor dem 1. Mai, wohlgemerkt. Irgendwer künstlerisch sehr Unbegabtes hat irgendwelche unleserlichen Botschaften hinterlassen.

Und das sieht einfach scheisse aus. 

Wirklich, es stört mich ungemein. Jedes Mal, wenn ich rausgehe oder nach Hause komme, verdirbt mir diese vollgeschmierte Türe noch gänzlich die Laune. Ich kann es nicht genau erklären, aber es ist so, als hätte man etwas sehr Intimes von mir verschandelt. Autoliebhaber kennen das, wenn ihnen jemand einen Kratzer in die Motorhaube macht. Oder wenn ein Gutsch Kaffee auf dem Lieblingskleid landet - es ist einfach nicht mehr das selbe wie vorher, das geliebte Stück hat jetzt einen Makel, ist nicht mehr jungfräulich rein. My home is my castle, wenn mein Heim Makel hat, dann leide ich. Ein bisschen irr, vielleicht, ich weiss, denn weder das Haus, noch diese Türe gehören  ja mir, sondern der Genossenschaft. 
Ob die das auch so stört? Und die anderen Bewohner im Haus? Als Vermieter würde ich ja sofort eine Putztruppe losschicken. Schmierereien loswerden an meinen Gebäuden wäre meine oberste Priorität, noch vor der Reparatur der kaputten Waschmaschine oder dem Schlichten eines Nachbarschaftsstreits!
Und ich hab's auch schon überprüft: Die Farbe lässt sich abrubbeln. Sollte also kein Problem sein. Ich werde auch höchstpersönlich zum Schwamm greifen, wenn der Hausabwart nicht bald selber findet, das verkritzelte Türen einfach nicht gehen! Diese Woche gebe ich ihm noch Zeit.
Obwohl, bei den verschmierten Briefkästen und Wänden hat er ja bis heute auch nicht eingegriffen.
Viel Hoffnung hab ich also nicht. Wenn ich nur nicht so faul wäre...


Und ja, ich spreche übrigens bewusst von Schmierereien und nicht von Graffiti - sorry, aber Graffiti sind für mich KUNST, da hat sich jemand was überlegt dabei, die haben einen künstlerischen Anspruch, eine Botschaft, sind oft schön und vor allem aufwändig, und Graffiti MAG ich. Aber Schmierereien sind einfach nur das potthässliche Werk von irgendwelchen Arschlöchern, denen es grad langweilig ist, die einfach nur zerstören wollen und die keinen Respekt haben vor dieser Stadt und ihrer Schönheit! Und nein, Schmierereien mag ich NICHT!!
Bevor es jetzt Anfeindungen hagelt: wer diesen Blog etwas verfolgt hat über die Jahre, dem ist wohl nicht entgangen, dass ich in jedem Beitrag ein Bild von Zürcher Streetart poste. Und das, weil ich Fan von Streetart bin. Das kann durchaus auch einfach mal nur ein einfacher Schriftzug oder von mir aus ein Smilie sein oder ähnliches. Wenn es lustig ist, kreativ, originell oder etwas ausdrückt, ein Gefühl, eine Forderung - why not? Sowas kucke ich mir gerne an. Das sagt viel aus über eine Stadt, gibt ihr Charakter.

Aber ein "KKRRZDHEIHHOPWYCB!" an einer Türe nützt echt keiner Sau etwas! Oder ein "FCZ" unter dem Balkon - geht doch in den Fanclub, wenn ihr eure Leidenschaften teilen wollt und Gleichgesinnte sucht! Schmier ich etwa überall gleich "FROZEN YOGHURT MIT GUMMIBÄRLI" hin, wo ich vorbeikomme? Oder "SCHUHE"?
Eben.
Weiterer Tipp: das übliche "FICKEN" auf der Mauer ist seit der Pubertät nicht mehr interessant, auch wenn es ab und zu mal orthografisch korrekt geschrieben ist! Das alles ist  einfach nur Schrott, eine Vergewaltigung von Oberflächen, Körperverletzung, weil es in den Augen wehtut!! Darüber freut sich niemand, und es trägt auch nichts zum Charakter einer Stadt bei, es ist höchstens ein Zeichen dafür, dass hier talentfreie Vollidioten wohnen, was ich jetzt nicht so vorteilhaft finde, auch nicht für die "Künstler" selber!

Also, bitte, ihr gelangweilten Kritzler da draussen: Tut euch ein Hobby zu, lernt schreiben oder Malen oder verschandelt wenigstens Häuser von Leuten, die es auch wirklich nicht besser verdient haben.

Das von Assad zum Beispiel. 

Dienstag, 4. April 2017

68 Geile alte Männer

Irgendwas hab ich mit älteren Männern. 
Ich meine, kuckt euch doch mal meine Posts an: Der mit der Bibel in Nummer 58. Dann der mit dem Himbeer-Glacé in Nummer 66.

Und jetzt komm ich nochmals mit einem, ACHTUNG!
Weil: Heute fuhr ich so mit dem Velo durch die Zürcher Innenstadt, und da kam mir auf dem Trottoir eben so ein älterer Herr entgegen. Er fiel mir sofort auf, weil er sehr gross war und gut aussehend. Schlohweisses Haar, schlohweisser Hipster-Schnauz, superschlank und sportlich-modern gekleidet. So einer halt, bei dem man denkt: "Hoffentlich seh ich in dem Alter auch noch so toll aus!". Also, die Männer denken das, wir Frauen hoffen, dass unsre Männer mit 75 noch so geil sind. 
Aber irgendwas störte mich an dem guten Herrn. Er hatte einen seltsam gequälten Gang. Und irgendwie war er auch ein bisschen ZU gross, die Beine unnatürlich lang. 
Und als ich ihn auf dem Velo schon fast überholt hatte, fiel mein Blick auf seine Schuhe.

High heels. 
Und zwar nicht so 5cm-Pussy-Dinger für Weicheier wie mich. 
Nein, so richtige Mörder-Plateausohlen-25cm-Absatz-Fetisch-Knöchelbrecher in Lackleder.

RESPECT!
Wie auf dem Catwalk sah das zwar nicht aus, aber hey! Er hatte es auf den Stelzen wenigstens schon bis in die Stadt geschafft, ich hätte mir schon zu Hause beim Anziehen mindestens drei Zehen verstaucht. 

Schon interessant. Was ist der Reiz daran, vom Scheitel bis zum Sprunggelenk eigentlich total männlich auszusehen, aber die Füsse dann in etwas extrem Weibliches zu stecken?
Gut, man könnte jetzt argumentieren, das sei Gleichberechtigung. Wir Frauen haben die Kleiderschränke der Männer ja auch schon lange gepachtet. Irgendwann zogen wir uns auch Hosen an und Budapester und Krawatten und Hemden aus der Herrenabteilung. Wieso also sollten Männer dann nicht auch hochhackige Schuhe tragen dürfen?
Vielleicht geht das jetzt los, dass Männer unsere Kleiderschränke  entdecken. 
Wurde auch Zeit. Ich frag mich sowieso, wie man unsere überbordenden Garderoben überhaupt so lange übersehen konnte.


Aber warum muss man dann unbedingt DAS Accessoire des anderen Geschlechts auswählen, das am unbequemsten und ungesundesten ist? Weil man gerne Schmerzen hat, etwa? Oder weil man Herausforderungen liebt?

Keine Ahnung. Aber soll jeder so rumlaufen, wie er will. 

Ich muss sagen, auch ohne diese High heels wäre der ältere Herr da auf dem Trottoir beim HB eine faszinierende Erscheinung gewesen. Aber diese unerwarteten Schuhe machten ihn eben einfach noch ein bisschen... geiler. 

Und da wären wir wieder beim Anfangsthema: Ich und die Senioren. 
Keine falschen Schlüsse, bitte. Ich habe wirklich keine Vorliebe für ältere Männer oder so. Auch keine Erfahrung. Im Gegenteil.
Also, nein, auch hier nicht falsch verstehen, bitte, ich bin im Fall keine Cougar, gell?! Aber tatsächlich waren die meisten meiner Freunde/Lover/Zufallsbekanntschaften etwas jünger als ich. 

Egal. 
Vielleicht fand ich einfach das Überraschende so gut. Ich meine, von so einem attraktiven Typen, der auch mit über 70 noch jede Frau abschleppen könnte, glaubt man doch, er müsse besonders viel Testosteron im Blut haben, eben besonders "männlich" sein. So einer gibt sich doch sicher extra viel Mühe, um so richtig als Macker rüberzukommen, als Dandy, als James Bond, Robert Redford, Hugh Jackman, George Clooney.

Aber dann zieht der sich einfach hohe Schuhe an und macht all unsere altbackenen Erwartungen damit zunichte.

Geil.

Dienstag, 7. März 2017

67 Midlife crisis

Wir müssen reden.
Mir geht's nicht so gut.
Ich habe midlife crisis.

Was übrigens bedeutet, dass ich keine 80 werde, wenn das jetzt tatsächlich schon meine Lebensmitte ist. Die Statistik sagt mir aber, dass die durchschnittliche Lebenserwartung einer Frau in der Schweiz 85 Jahre beträgt.
Hmmm, muss mein Lebenswandel sein, eindeutig.

Im Ernst, es wird Zeit, Bilanz zu ziehen. Ich verspüre grad fürchterlich den Drang dazu. Vielleicht ist das normal, wenn man so langsam auf die 40 zugeht. Die magische 40, uuuuuuuhhhh!!!
Also, meine Bilanz ist: Ich bin nicht zufrieden. Nicht mit mir, nicht mit der Welt.
So hab ich mir das nicht vorgestellt.

Aber wie habe ich es mir denn vorgestellt?

Ich kann mich nicht erinnern. Ich glaube, als Kind oder Teenie habe ich nie über die nächsten fünf Jahre hinausgedacht. Alles andere war nicht interessant. 40-jährige waren höchstens so Leute wie meine Eltern. Das war gaaaaaaanz weit weg, darüber würde ich mir dann frühestens in 100 Jahren Gedanken machen, wenn ich dann auch mal 40 bin, vielleicht. Aber dann muss man sich ja eh keine Gedanken mehr machen, dann ist ja alles schon gelaufen. Denn irgendwie hat man so als Jungspund doch immer das Gefühl, dass mit den Jahren alles besser wird. Ja, irgendwann ist alles gut. Wenn man erwachsen ist, ist alles gut. Probleme und Ängste und Sorgen, die hat man nur in der Adoleszenz. Aber dann findet man irgendwann die Lösung und lässt alles Mühsame hinter sich und ist zufrieden.
Ja, ich glaub, so dachte ich in meiner Jugend.

Muahahahahaaaa - Faaail!


Natürlich ist mein Leben objektiv betrachtet gut. Also fangt gar nicht erst an mit eurem "Du häsch im Fall gar kein Grund zum dich beschwere!"
Jaja!
Ich bin kerngesund, verfüge über einen anständigen Intelligenzquotienten, habe einen Job, den sogar andere gerne hätten, nage nicht am Hungertuch, lebe im schönen TSÜÜÜÜRRRIIII, sehe einiges von der Welt, habe Menschen um mich herum, denen ich nicht scheissegal bin, kann hier schreiben, was ich will, habe gerade zwei Tafeln Schokolade gegessen und vorgestern kam mein neues MacBook an.

Was will ich also mehr?

Ja, irgendwie viel. Keine Ahnung, was. Aber wenn es nicht so wäre, würde ich ja einfach denken: "Cool, hoffentlich geht's immer so weiter." - allerdings denke ich vielmehr: "Und was kommt jetzt noch? Oh Gott, hoffentlich kommt überhaupt noch was! So kann es doch nicht weitergehen bis zum Tod! HELP!!"

Kennt ihr das? Diesen 1. Welt-Luxus-Schmerz?
In letzter Zeit quält er mich besonders.
Eben, midlife crisis.
Und dann finde ich alles doof. Den Job, die Welt, die Schokolade und das MacBook. Und am meisten mich.

Warum habe ich nicht alles ganz anders gemacht?
Warum bin ich nicht... Psychiaterin geworden? Regisseurin? Grafikerin fänd ich auch noch geil. Oder Meeresbiologin.
Warum bin ich nicht nach Australien ausgewandert? New York? Oh, Rio! Eine Weltreise hab ich auch nicht hingekriegt.
Wieso kann ich immer noch nicht Gitarre spielen? Geschäftsberichte entziffern? Ich kann kein Chinesisch und kein Russisch. Keinen Schrank zimmern. Nicht stricken. Nicht mal die Haare in einen Zopf flechten.
Wieso hab ich den Ex nicht geheiratet? Oder den Ex-Ex? 
Shit, so einen MBA hätt ich eben doch noch machen müssen. Oder wenigstens nochmal einen MAS. CAS. DAS. Ich brauch mehr Diplome!
Ich brauch ein Haus am Meer!
Ein Boot!
Einen Fiat Panda! (ich weiss nicht mal, wie der aussieht, aber klingt gut!)
Einen Labrador!
Ich müsste überhaupt an einem ganz anderen Punkt in meinem Leben sein! Ganz anders!

Dann wär alles gut!

Oder auch nicht. Vielleicht glaub ich das ja nur. Vielleicht würd ich mir auch als Psychiaterin oder Grafikerin jetzt Ende 30 die selben Gedanken machen.

Naja, ich werd's nie rausfinden. Also lebe ich meine Leben einfach weiter. Mit 85 ist dann eh alles egal. Ich sterbe mit oder ohne MBA.

Midlife crisis.
Sucks.

Freitag, 17. Februar 2017

66 Die Himbeerglacé-Anarchie

Letzthin im Zug in Richtung Ostschweiz. Wir hielten am Bahnhof Stadelhofen und ich schaute so gelangweilt aus dem Fenster. 
Und da stand ein älterer Herr mit weissen Haaren auf dem Perron, Windjacke und volle Einkaufstüte neben sich am Boden. In den Händen hielt er eine Packung Himbeer-Glacé - nein, nicht so ein kleines Mini-Kübelchen, sondern so einen grossen Literkübel. Er nestelte am Deckel rum, und ich dachte mir: "Will er sich vergewissern, dass das Ding auch nicht ausläuft in seiner Tasche? Es ist ja zwar Winter, aber doch auch schon ziemlich warm, ohne Kühltruhe verwandelt sich das Ganze wohl bald in Himbeersuppe..."
Aber nein, der Mann klaubte ganz zielorientiert den Deckel vom Plastikbehälter und zog die Klarsichtfolie darunter ein Stück weit zurück.
Kurze Zwischenfrage: warum müssen Dinge mit fest verschliessbarem Deckel eigentlich immer auch noch eine Folie drüber haben? Glacé, Frischkäse, gefüllte Oliven und so - das ist doch völlig überflüssig und nur wieder ein bisschen Abfall mehr, oder? Einmal abgezogen kann man die Folie ja eh nicht mehr brauchen, dafür gibt's ja den Deckel! Ich checke diesen Frischhalte-Wahn hier einfach nicht.
Aber egal.

Zurück zum Senior am Stadelhofen. Ich beobachtete ihn weiter mit wachsender Spannung und überlegte: "Der holt doch jetzt nicht auch noch 'nen Plastiklöffel hervor, oder? Nee, das wagt der doch nicht...!"
Und nein, tatsächlich kein Plastiklöffel - der Mann  tauchte genüsslich seinen Finger ins Glacé, bohrte ein bisschen darin rum und schleckte ihn dann ab.

Mein Zug fuhr weiter, ich verrenkte mir fast den Hals und hätte nicht wenig Lust gehabt, die Notbremse zu ziehen, weil ich diesem Spektakel so gerne noch länger zugeschaut hätte.

Wahnsinn! 
Genau so will ich mal sein in 40 Jahren!
Also, kein Mann natürlich, aber so hemmungslos, so anarchistisch, so I don't give a shit, so - einfach ICH  halt! 
Ich hab Bock auf Glacé im Winter am Bahnhof aus der Literpackung ohne Löffel - verdammt nochmal,  dann ess ich auch Glacé im Winter am Bahnhof aus der Literpackung ohne Löffel! Und es ist mir scheissegal, dass das mit den Fingern vor allen Leuten gruusig ist und man im Winter Marroni isst und kein Himbeerglacé und wenn, dann aber nur heimlich zu Hause aus so einem Mini-Kübelchen, weil man sonst ja fett wird und einen alle anglotzen, als sei man ein Alien , zum Beispiel aus vorbeifahrenden Zügen heraus, "Wäh, kuck mal die an, die schämt sich nicht mal, ein Liter Glacé im Winter ohne Löffel in der Öffentlichkeit, geht's noch?!". 
Nein, ich möchte so sein wie dieser ältere Herr am Bahnhof Stadelhofen, und eigentlich hoffe ich, ich muss nicht noch 40 Jahre darauf warten.
Also, auf die weissen Haare schon, aber nicht auf die Himbeerglacé-Anarchie.


Samstag, 4. Februar 2017

65 Der Neun-Minuten-Terror

Seid ihr auch Snoozer?
Ihr wisst schon, snoozing, diese Wiederholungsfunktion am Wecker - komisches Wort, klingt für mich eigentlich mehr nach Drogenmissbrauch, sich etwas in die Nase ziehen oder so, und nicht nach Aufwachen.
Aber wie auch immer: Ich jedenfalls bin Rekordsnoozer. Da kann mir aber keiner was: Jeden morgen snooze ich etwa zehn Mal!

Ich plane das auch ganz bewusst so ein, also, ich stelle den Wecker extra viiiieeeel zu früh, so rund eine Stunde vor der errechnet besten Aufstehzeit, die aber auch schon wahnsinnig grosszügig bemessen ist - würde ich sie einhalten, könnte ich wohl noch den ganzen Haushalt schmeissen, mich 14 Mal umziehen und in drei Pilatesstunden, bevor ich effektiv zur Arbeit aufbrechen müsste. 
Ratet mal, wie oft das vorkommt.
Genau: Gar nie.

Ich stelle den Wecker also wirklich nur so verdammt früh, weil ich weiss, dass ich noch zehn Mal snoozen werde, bis ich es aus dem Bett schaffe. Und darin bin ich echt diszipliniert, das muss ich schon sagen, das ziehe ich aber auch wirklich jeden Morgen knallhart durch, du!
Das sieht dann in etwa so aus:

Wecker klingelt das erste Mal (also, er klingelt nicht, er spielt einen Song aus meiner Playlist, der Wecker ist mein Iphone und der Song momentan "Royals" von Lorde, so richtig bedeutungsschwanger, man fühlt sich da grad sofort sehr wichtig, wenn man aufwacht).
Ich nehme das Handy, tippe glücklich auf den Snooze-Button und leg mich selig wieder schlafen, 
denn ich weiss ja, ich hab noch alle Zeit der Welt.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das zweite Mal.
Das selbe Spiel wie vorhin.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das dritte Mal.
Nochmals.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das vierte Mal.
Und nochmals.
Ich überfliege noch kurz die Pushmitteilungen mit den jüngsten Trump-News, die mein Handy schon etwa 23 Mal haben aufschreien lassen. Macht mich aber auch nicht wacher. 

Neun Minuten später. Wecker klingelt das fünfte Mal.
Ich rechne schnell nach, wieviel Zeit mir noch bleibt, ansonsten gleiches Vorgehen wie vorhin.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das sechste Mal.
Ich beschliesse, die Spülmaschine doch nicht am Morgen auszuräumen, wie ich mir eigentlich vorgenommen hatte und penne weiter.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das siebte Mal.
Haare muss ich mir auch nicht waschen jetzt, kann ich doch am Abend. Zopf machen heute, das geht schon. Snooze-Button und gute Nacht.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das achte Mal.
Jaaaaa, ich such mir heut einfach keine frischen Kleider raus, die von gestern liegen noch irgendwo, die tun's schon noch einmal.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das neunte Mal.
Schminken kann ich mich auch im Zug.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das zehnte Mal.
Kriegt man sofort Löcher, wenn man sich mal nicht die Zähne putzt am Morgen?


Neun Minuten später. Wecker klingelt das elfte Mal.
Scheisse, Snoozekontingent aufgebraucht. Ok, andere psychologische Massnahme: Wecker neu stellen, 15 Minuten hab ich noch, dann wird aufgestanden!

15 Minuten später. Wecker klingelt das zwölfte Mal.
Ok, draussen schneit und stürmt es, die Strassen sind vereist - ich geh trotzdem mit dem Velo an den Bahnhof, nicht mit dem Bus - geht schneller!
Snooze-Button.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das dreizehnte Mal.
Jaaaaa, ist ja gut!!! Noch EIN EINZIGES MAL darf ich, dann steh ich auf! Versprochen! ICH SCHAFF DAS!!

Neun Minuten später. Wecker klingelt das vierzehnte Mal.
Ach, an diese Sitzung muss ich doch eigentlich gar nicht. Kann auch ne halbe Stunde später ins Büro kommen.

Neun Minuten später. Wecker klingelt das fünfzehnte Mal.
Braucht es mich heute überhaupt auf der Arbeit?

Neun Minuten später. Wecker klingelt das sechzehnte Mal.
Ja, tut es!

Jetzt schäl ich mich endlich aus dem Bett, und der Stress beginnt: fertig machen, Zähne putzen (ohne geht doch nicht), schminken (doch zu eitel um "nackt" an den HB zu fahren), doch neue Kleider anziehen (was denken denn sonst die Arbeitsgspändli??), merken, dass man das Velo ja gestern am Bahnhof gelassen hatte, also doch den Bus nehmen, am HB sich die Lunge aus dem Leib rennen, natürlich auf nüchternem Magen, in letzter Sekunde in den Zug hechten - und völlig kaputt und verschwitzt in einen Sessel sinken und weiterdösen, snoozen.

Ja, so sieht mein Morgen aus. Der Neun-Minuten-Terror.
Und ihr so?

Dienstag, 17. Januar 2017

64 Fake Snow

Kürzlich war ich in den Bergen - wohlgemerkt noch vor dem grossen Wintereinbruch. Es war auch schon Winter, aber noch in der laschen Variante, erinnert ihr euch?
Ich liess also meine Skiausrüstung wohlweislich zu Hause und zog nur die Moonboots an. Ich meine, sorry, wer geht denn schon Skifahren, wenn kein Schnee liegt?

Och, ganz viele.

Oben auf dem Berg sah ich, wie sich ein paar schmale weisse Bänder den Hang hinaufzogen, teils exakt unter den Bügelliften. Und darauf tummelten sich frischfröhlich zahlreiche Wintersportler. Völlig unbekümmert wedelten sie Richtung Après-Ski, als wäre alles ganz normal. Aber es war nicht normal, denn rund um die paar weissen Streifen war es überall braun. Der Berg war eine riesige, braune, plattgewalzte Fläche, richtig traurig sah das aus, tot. Aber da waren sogar ganze Familien angereist, teils aus dem Ausland. Sie hatten tatsächlich den langen Weg auf sich genommen, um auf ein paar Flecken Kunstschnee Ferien zu verbringen - Skiferien, wohlgemerkt. 

Wie kann man bloss, dachte ich mir. Was für eine Scheinheiligkeit!
Hey, wenn es nicht schneit, dann schneit es halt nicht! Das ist Natur! Oder Klimaerwärmung, je nach dem! 
Wieso können wir das nicht einfach akzeptieren?
Jetzt beschweren wir uns dauernd über diese Fake News, aber Fake Snow ist dann voll ok oder was?
Was erzählen diese Eltern ihren Kindern? "Wenn Gott es nicht schneien lässt, dann machen das halt die Kanonen. Wir spielen Winter, das ist doch cool!"
Ja, meeega cool!! Spielen wir doch auch gleich noch Sommer! Stellen wir ein paar scheiss Heizpilze an den Strand und wärmen das Meer mit Tauchsiedern auf, wenn der Juli mal wieder auf Oktober macht!
Oder wenn der Frost dann erst richtig im Frühling kommt, können wir ja auch einfach ein paar bunte Plastikblumen spriessen lassen auf den Wiesen, damit es auch jaaaa hübscher aussieht! 


Es ist mir schon klar, dass der Wintersport wichtig ist für die Schweizer Wirtschaft. Aber künstlich an der Vergangenheit festzuhalten, macht für mich keinen Sinn. Wir verdrängen so die Tatsachen. Ich konnte in meiner Kindheit auch den Hügel hinter unserem Haus runterschlitteln - ich glaube, das ist schon seit Jahrzehnten nicht mehr möglich. Diese Erinnerung schmerzt, aber sie täte mir nicht weniger weh, wenn man den Hügel nun künstlich beschneien würde. Ich würde ihn trotzdem nicht mehr runterschlitteln. Denn ich will nicht überall nur Fake, mir etwas vormachen, das befriedigt mich einfach nicht. Ich meine, ich muss mich ja schon dauernd schminken, um am Morgen die Leute auf der Strasse nicht zu erschrecken, auf Facebook muss ich mir tagtäglich die perfekten Leben der anderen anschauen, ich muss diese gruusigen Chia-Samen essen, damit ich auch wirklich 115 Jahre alt werde - das reicht wirklich! Für den Rest will ich das Echte, die Wahrheit, nichts als die WAHRHEIT!
Auch wenn sie weh tut.

Wer also Winter will, soll halt auf ihn warten - oder irgendwo hingehen, wo er sich gerade befindet.

Und darum steige ich jetzt in ein Flugzeug Richtung Sommer.
Ökologisch genau so bireweich wie Kunstschnee. 
Aber der Sommer dort ist wenigstens echt. 

Samstag, 7. Januar 2017

63 My huge 2017

2017 wird gut.
Nein, es wird sogar sehr gut.
SUPER wird es!
Viel besser als 2016.
Viel, viel besser als die letzten fünf Jahre.
Ach, viiiiiiieeeeeeelllll besser als alle Jahre überhaupt!
2017 wird das Jahr der Jahre!
Best ever!
Huuuuge!!
Tremendous!!


Das Jahr, in welchem mir alles gelingen wird. In welchem ich nur Glück und Liebe erfahren werde.  In welchem ich jeden Tag mit einem glückseligen Lächeln aufstehen und mit einem noch glückseligeren Lächeln wieder ins Bett gehen werde.  
Keinen Tag werde ich traurig sein. Oder wütend. Oder krank. Und alle um mich herum auch nicht. Alles, was ich will, werde ich bekommen: Jobs, Geld, Freunde, Ruhm, Reisen, Sex, eine Katze, Elle Macphersons Körper, die 5-Zimmer-Wohnung im Niederdorf für 1600.-. 
Alles, was ich anpacke, wird mit Erfolg gekrönt sein. 
Alle, die ich treffe, werden mir wohlgesonnen sein.

2017 wird einfach MEIN Jahr. 
Ich spüre es. Nein, ich WEISS es!

Denn:

Ich hatte den König im Brötchen. Und ich schwör: ich hab nur EIN Brötchen gegessen, nicht den ganzen Kranz wie sonst. 

Das ist ein Zeichen!
Jetzt kann nichts mehr schief gehen.